Mit ‘Salzburg’ getaggte Beiträge

Das Museum der Moderne Salzburg präsentierte die erste museale Einzelausstellung der 1976 in Wien geborenen Künstlerin Tanja Boukal.

In 14 Werkserien verarbeitet die Künstlerin fotografische Vorlagen von brisanten politischen und gesellschaftlichen Ereignissen in traditionellen Arbeitsverfahren, wie etwa Stick- und Stricktechniken, zu berührenden und einprägsamen Momentaufnahmen.

Eines haben die von der Künstlerin dargestellten Menschen gemeinsam: den Willen, ihr Leben zu ändern und diese Veränderung selbst in die Hand zu nehmen. Während in den Massenmedien oftmals Einzelpersonen als Helden gefeiert werden, richtet sich der Fokus von Boukal auf jene, die im Hintergrund bleiben oder am Rand der Gesellschaft leben. Sie hält das Aufbegehren dieser Menschen fest und setzt die dabei gewonnenen Motive und Eindrücke in ihren Arbeiten um. Damit fügt sie der offiziellen Medienberichterstattung und der Bilderflut in den sozialen Medien ihre eigenen Beobachtungen und Ergänzungen hinzu. Ausgangspunkt für die Werke Tanja Boukals sind offizielle Medienbilder und Bilder aus kollektiv gespeisten Foren wie Flickr, welche sie mit eigenen Fotografien kombiniert.

Die fotografischen Vorlagen werden von Boukal mittels unterschiedlicher Druckverfahren auf Steinen oder Emailtafeln aufgebracht oder durch computerunterstützte Verfahren in Stick- und Stricktechniken übersetzt. Die Künstlerin setzt bewusst Materialien wie Wolle und Garn ein, die für Häuslichkeit und Geborgenheit stehen, und der Gegensatz zwischen dem warmen Material und den eindringlichen Bildmotiven verleiht ihren Arbeiten eine zusätzliche Intensität.

Ausstellungsdauer: 09.11.2014 bis 02.03.2014

Website: www.museumdermoderne.at

ArtKiss-Besuch: 27.02.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

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MALERMEESE – MEESERMALER

Mit MALERMEESE – MEESERMALER zeigte das Museum der Moderne Salzburg eine umfassende Werkschau der malerischen Arbeiten des Künstlers Jonathan Meese.

Von 1995 bis 1998 studierte Meese an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Franz Erhard Walther. Heute zählt er zu den herausragendsten deutschen Künstlern seiner Generation. Seine originäre, unverwechselbare malerische Sprache nimmt in ihrer Aussagekraft auch international einen singulären Status im Kunstgeschehen ein.

Die chronologisch angelegte Schau bot erstmals anhand exemplarischer Arbeiten einen Überblick über das gesamte Spektrum und die Entwicklung von Meeses malerischem Schaffen. Sie legt damit den Fokus auf den umfangreichsten und wichtigsten Teil seiner künstlerischen Arbeit, die darüber hinaus auch Skulpturen, Performances, Installationen und Bühnenarbeiten umfasst.

Die ersten Ölbilder Meeses aus den Jahren 1992 bis 1994 lassen noch die Auseinandersetzung mit der Formensprache der Klassischen Moderne erkennen. Eine verstärkte Beschäftigung mit der Malerei erfolgte ab dem Jahr 2000, nachdem sich Meese einige Jahre überwiegend der Performance und installativen Arbeiten gewidmet hatte.

Die für seine Arbeit wesentliche Idee der Bühne als einer inszenierten Gegenwelt überträgt er nun auf großformatige („Historien“-)Bilder, die eine intensive Beschäftigung mit Charakteren und Motiven aus der Hoch- und Populärkultur erkennen lassen. Daneben sind vor allem auch die Gattungen des Porträts und des Selbstbildnisses zentrale Aspekte seines Schaffens.

In seinen Selbstdarstellungen betreibt Meese ein raffiniertes Rollenspiel, mit dem er weniger die Suche nach der eigenen Identität als vielmehr das Maskenhafte und Oberflächliche verfolgt, das er in spielerisch-imaginierten Selbstumkreisungen variiert.

Meeses Werk ist von der Beschäftigung mit Persönlichkeiten der Weltgeschichte, mit Ur-Mythen und Heldenepen geprägt. In spezifischer Weise verdichtet der Künstler diese Motive unter Einbeziehung des Trivialen zu einem im wörtlichen Sinn „fantastischen“ Ganzen. Kompromisslos proklamiert er dabei sein utopisch angelegtes Konzept einer „Diktatur der Kunst“, wobei die Auseinandersetzung mit verfemten Figuren und Symbolen der deutschen (Zeit-)Geschichte ein bestimmendes Element ist. Oft grotesk überzeichnet, dekonstruiert Meese sie zum bloßen Ornament seiner Malereien oder führt sie im Mix mit Müll und Spielzeug ad absurdum. Mit dem systematischen, inflationären Einsatz dieser Symbole, die im Kontext der Darstellung von ihrer ursprünglichen Botschaft entkoppelt werden, verfolgt der Künstler deren Neutralisierung. Damit soll ihre Wirkungslosigkeit in der Gegenwart bekräftigt werden. Meese ist sich bewusst,  dass dabei auch öffentliche Diskussionen provoziert werden. Doch geht es seinem Selbstverständnis nach vorrangig darum, die Freiheit der Kunst zu bewahren, die sich keinen gesellschaftlichen und politischen Konventionen unterordnen darf.

Ausstellungsdauer: 16.11.2014 bis 09.03.2014

Website: www.museumdermoderne.at

ArtKiss-Besuch: 27.02.2014

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

Die Ausstellung „Under Pressure“, die vorwiegend aus Neuzugängen innerhalb der letzten fünf Jahre zur Fotosammlung des Salzburger Museums der Moderne zusammengestellt wurde, beschäftigt sich mit der Tatsache, dass Bilder zur Initialzündung werden können, die das kritische Gespräch über die Konflikte der Gegenwart, aber auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte befeuern.

Am Ausgangspunkt (Spuren der Geschichte) der in vier Themenbereiche gegliederten Ausstellung beschäftigt sich u.a. Markus Oberndorfer mit der Wahrnehmung und Rezeption von Geschichte. In seiner Serie Das Verschwinden – der Atlantikwall um Cap Ferret (2008) dokumentiert Oberndorfer das Verschwinden des Atlantikwalls am gleichnamigen Ort. Sand, Wasser und Korrosion setzen dem Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg zu, zudem erfährt es durch die Menschen die heute dort leben, eine Umdeutung. Im Video Autrement on devient fou… (2012) kommt Henri Lavrillat, einer der letzten Überlebenden des französischen Pflichtarbeitsdienstes, zu Wort, der unter dem Druck der Nationalsozialisten am Bau des Atlantikwalls mitarbeiten musste.

Im Themenbereich Geschlossene Städte konfrontieren Gregor Sailer und Markus Krottendorfer die Betrachter mit politisch motivierten architektonischen Spuren in der Landschaft. Oliver Ressler und Heidrun Holzfeind zeigen in ihren Arbeiten politischen Ungehorsam und zivilen Widerstand auf und Lukas Birk führt uns in seiner Installation Kafkanistan die Absurdität von Katastrophentourismus in Krisengebieten wie Afghanistan und Pakistan vor Augen (Tourismus im Krisengebiet).

Ausstellungsdauer: 01.11.2014 bis 30.03.2014

Website: www.museumdermoderne.at

ArtKiss-Besuch: 27.02.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Galerie Thaddaeus Ropac, Villa Kast, Salzburg

Galerie Thaddaeus Ropac, Villa Kast, Salzburg

Die Galerie Thaddaeus Ropac zeigt in der Salzburger Villa Kast ihre vierte Einzelausstellung des britischen Bildhauers Richard Deacon, der zu den bedeutendsten britischen Bildhauern der Gegenwart.

Seine existenzielle Auseinandersetzung mit Raum und Form ermöglicht eine grundlegend neue Blickweise. Entscheidend ist sein physischer Umgang mit den verschiedensten Materialien. Seine wellenförmig geschwungenen Skulpturen mit ihren rhythmischen Verflechtungen oder die biomorph anmutenden Raumkörper zählen zu den vielschichtigsten Werken der modernen Bildhauerei. Bereits die Anfänge seiner Karriere waren von Experimenten mit unterschiedlichen Materialien und künstlerischen Ausdrucksformen geprägt, die Performance, Fotografie und Zeichnung umfassten. Charakteristisch für seine Arbeit ist das tiefe Interesse an der spezifischen Materialität seiner verwendeten Werkstoffe, die so verschieden sind wie laminiertes Holz, Beton, PVC, Edelstahl und Keramik. Deacons Skulpturen erscheinen als komplexe Lineamente, rhythmische Verflechtungen oder organische Körper und beeindrucken durch die außergewöhnliche Durchdringung von Form, Oberfläche und Raum.

Richard Deacon begann Ende 1999 in einer Kölner Werkstatt mit dem Material Keramik zu arbeiten. In Salzburg zeigt Ropac vier rätselhafte biomorphe Skulpturen aus diesem Material, die vielfarbig gefasst und mit einer prächtigen Glasur versehen wurden.

Die Keramikskulpturen treffen in der Ausstellung auf sechs pulverbeschichtete Edelstahlskulpturen in leuchtenden Farben aus dem Zyklus Alphabet, die in ihrer Strenge, Klarheit und grafischen Ästhetik einen Gegensatz zur wabernden Oberfläche der Keramikskulpturen bilden. Sie sind aus mehreren fünf- bis siebeneckigen Feldern zusammengesetzt, die jeweils wie Bienenwaben oder Segmente eines Spinnennetzes aneinander anschließen. Die Objekte lehnen an der Wand, berühren den Boden und bilden eine Mischform zwischen Wandzeichnung, Relief und freistehender Skulptur. Im Mittelpunkt steht dabei das Spiel mit positiver und negativer Form aus dem Verständnis heraus, dass eine Skulptur nicht nur durch ihre Oberfläche, sondern vor allem durch ihre Zwischenräume definiert wird.

Deacons Skulpturen reflektieren häufig die materielle Welt des alltäglichen Lebens; Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs liefern den Anstoß, über bestimmte Strukturen und Formen nachzudenken.

Ausstellungsdauer: 25.01.2014 bis 05.04.2014

Website: www.ropac.net

ArtKiss-Besuch: 27.02.2014