Mit ‘Neue Sachlichkeit’ getaggte Beiträge

Otto Dix: Contessa, 1962, Farblithografie, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling
Otto Dix: Contessa, 1962, Farblithografie, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling
Rolf Nesch: Junge im Matrosenanzug, 1929, Kaltnadelradierung mit tonaler Intagliotechnik und Blindprägung, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling
Rolf Nesch: Junge im Matrosenanzug, 1929, Kaltnadelradierung mit tonaler Intagliotechnik und Blindprägung, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling

Die fünfzehn Künstlerinnen und Künstler der Sammlung Sorst sind zumeist mit kleineren Werkgruppen vertreten; eine besondere Rolle nimmt Gerhard Marcks ein, dessen Holzschnitt-Konvolut durch drei plastische Werke ergänzt wird. Neben Klassikern aus Picassos Suite Vollard oder dem Repertoire der frühen Brücke-Grafik sind auch charmante Solitäre zu entdecken, etwa der zart kolorierte Junge im Matrosenanzug von Rolf Nesch.

Pablo Picasso: Buste de profil (Jacqueline), 1957, Lithografie, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling
Pablo Picasso: Buste de profil (Jacqueline), 1957, Lithografie, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling

Nach dem Tod von Ernst-Joachim Sorst im November 2012 ging seine Sammlung zunächst als Dauerleihgabe an das Sprengel Museum Hannover. Nun setzt ihre Präsentation im Ernst Barlach Haus eine Ausstellungsreihe fort, in der zuletzt die privaten Schätze von Helmut und Loki Schmidt gezeigt wurden. Da das Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma seine Existenz dem persönlichen Engagement eines Kunstsammlers verdankt, ist es eine schöne Tradition geworden, dass das Museum immer wieder auch anderen privaten Kollektionen eine Bühne bietet. Bei der Präsentation der Sammlung Sorst wird besonderer Brückenschlag zum eigenen Bestand des Barlach Hauses probiert: Eine Auswahl der Barlach-Werken ergänzt die thematische gruppierten Leihgaben um motivisch verwandte Stücke. 

Ausstellungsdauer: 26.09.2021 bis 30.01.2022

Website: www.ernst-barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 26.12.2021

A. Paul Weber: Eitelkeit, 1952, Tuschpinselzeichnung, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling
A. Paul Weber: Eitelkeit, 1952, Tuschpinselzeichnung, Sammlung Ernst-Joachim Sorst, Hannover © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Werner Herling

Die Ausstellung „Surreale Sachlichkeit – Werke der 1920er- und 1930er-Jahre aus der Nationalgalerie“ wirft einen neuen, durch den Surrealismus geschärften Blick auf das Phänomen der Neuen Sachlichkeit. Tatsächlich haben diese Kunstrichtungen mehr gemeinsam, als man zunächst vermuten möchte. Anfang der 1920er-Jahre waren sie nahezu zeitgleich in Frankreich und Deutschland entstanden: 1924 erschien das erste Manifest der Pariser Surrealisten. 1925 präsentierte die Mannheimer Kunsthalle die neuesten Tendenzen in der deutschen Kunst unter dem Titel „Neue Sachlichkeit“ – und schuf damit den Begriff für ein gesamteuropäisches Phänomen, das noch im selben Jahr als „Magischer Realismus“ bezeichnet wurde.

Beide Bewegungen – der Surrealismus wie die Neue Sachlichkeit – sind in Reaktionen auf die historischen Avantgarden entstanden, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ausgedient hatten. Nunmehr ging es weniger um die Erkundung der eigenen Bildmittel, den individuellen künstlerischen Ausdruck oder Stil als vielmehr darum, zu einer neuen ganzheitlichen Weltsicht zu gelangen. Für die Surrealisten wie für die Künstler der Neuen Sachlichkeit trat die subjektive Sicht des Künstlers zugunsten einer „objektiven“ Betrachtungsweise zurück, in der sich die gesellschaftliche Realität gleichsam wie von selbst offenbarte – mit ihren neuzeitlichen Errungenschaften, aber auch mit ihren psychischen Abgründen.

Ausstellungsdauer: 13.10.2016 bis 23.04.2017

Website: www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/sammlung-scharf-gerstenberg/

ArtKiss-Besuch: 19.11.2016

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Die Berlinische Galerie ist eines der jüngsten Museen der Hauptstadt und sammelt in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute – mit lokalem Fokus und internationalem Anspruch zugleich.

1975 als privater Verein gegründet, eröffnete das Landesmuseum 2004 in Nachbarschaft zum Jüdischen Museum sein eigenes Haus in einer großzügig umgebauten Industriehalle mit 4.600 qm Ausstellungsfläche. Bildende Kunst – Malerei, Grafik, Skulptur, Multimedia – Fotografie, Architektur und Künstler-Archive formen einen Fundus, aus dem durch interdisziplinäre Verschränkungen spannungsvolle Dialoge entstehen.

Herausragende Sammlungsbereiche sind Dada Berlin, die Neue Sachlichkeit und Osteuropäische Avantgarde. Die Kunst des geteilten Berlin und der wiedervereinten Metropole bildet einen weiteren Schwerpunkt.

Website: www.berlinischegalerie.de

ArtKiss-Besuch: 08.03.2014

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

In den 1910er und 20er Jahren zählte der Dresdner Conrad Felixmüller (1897–1977) zu den bekanntesten und erfolgreichsten Nachwuchskünstlern in Deutschland. Selbstbewusst malte sich der hochbegabte Jugendliche zunächst durch Expressionismus und Kubismus hindurch, ehe er schließlich zu einem Protagonisten der Neuen Sachlichkeit wurde.

Die Jahre der Weimarer Republik beschrieb Felixmüller rückblickend als eine Zeit zwischen „Glückseligkeit“ und „Kampfesmut“. Seine Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken spiegeln dieses gesteigerte Lebensgefühl in anrührenden Porträts, einfühlsamen Milieustudien und kraftvollen, von politischem Engagement getragenen Figurenbildern.

Bereits im Alter von 15 Jahren wurde Conrad Felixmüller zum Studium an der Königlichen Kunstakademie in Dresden aufgenommen und erfuhr in der Geburtsstadt der Künstlergruppe Brücke wichtige Impulse. Seine kubistisch geprägten Arbeiten bis 1919, sein spätexpressionistisches Werk der frühen 1920er Jahre und die anschließende sachlich-realistische Phase zeigen – jenseits stilistischer Festlegungen – Felixmüllers außergewöhnliches Talent in allen malerischen und grafischen Techniken.

Die Ausstellung im Hamburger Ernst Barlach Haus versammelt rund 80 Werke aus den Jahren 1918 bis 1933, darunter teils selten gezeigte Bilder und zwei Eichenholzreliefs aus Privatbesitz. Bedeutende Leihgaben stammen unter anderem aus den Kunstsammlungen Chemnitz–Museum Gunzenhauser, dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

Ausstellungsdauer: 13.10.2013 bis 02.02.2014

Website: www.barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 14.12.2013

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!