Mit ‘Museum für Kunst und Gewerbe’ getaggte Beiträge

Mit der Ausstellung „comicleben_comiclife“ wendet sich das MKG einer besonders facettenreichen Form grafischer Gestaltung zu. Der Comic gilt seit dem letzten Jahrhundert als eigenständige und vielfältige Kunstform, seine Wahrnehmung steht im Spannungsfeld zwischen Hoch- und Populärkultur, zwischen Zeichnung und Literatur.

comicleben_comiclife, Ausstellungsansicht, Foto: Michaela Hille

comicleben_comiclife, Ausstellungsansicht, Foto: Michaela Hille

Zu sehen sind über 400 Exponate, darunter Zeichnungen, Grafiken, großformatige Drucke, Comic-Hefte, Merchandisingprodukte, Videos und Webcomics. In sechs biografisch aufgebauten Kapiteln widmet sich die Ausstellung diesem Thema und stellt in einem weiteren Teil den Comicstandort Hamburg vor, der in Deutschland eine herausragende Stellung einnimmt.

Der Comic wird aus der Perspektive der Lebenswelten seiner Produzenten und Rezipienten betrachtet. Die Ausstellung porträtiert sechs Menschen, die sich intensiv und auf unterschiedliche Weise mit Comics beschäftigen. Der serbisch-deutsche Zeichner Marko Djurdjevic steht für die amerikanischen Superheldencomics wie Spiderman und Co, die österreichische Zeichnerin Ulli Lust für die Graphic Novel und den Autorencomic. Der deutsche Verleger Dirk Rehm vertritt die alternative Verlagsszene mit ihren europäischen Vernetzungen. Die frühen Formen des amerikanischen Zeitungscomics sind bei dem Comic-Händler und Galeristen Carsten Laqua zu finden. Das Porträt über den renommierten Comicforscher Prof. Dietrich Grünewald stellt frühe Formen der Bildgeschichte vor, die Vorbild für den klassischen amerikanischen Comic waren (von Bilderbögen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis Wilhelm Busch). Die Kostüme und Puppen der Cosplayerin Nicole S. geben Einblick in eine Fankultur, die Manga-Charaktere zum Leben erweckt und nachspielt.

Verena Braun, Comicleben in Hamburg, 2013, © Verena Braun

Verena Braun, Comicleben in Hamburg, 2013, © Verena Braun

Der Hamburg-Teil porträtiert den Kreativstandort an der Elbe. Hamburg beheimatet eine vielfältige und lebendige Comic-Szene mit Verlagen, Läden, Galerien und Kultureinrichtungen, die sich über den gesamten Stadtraum verteilt. Der eigens für die Ausstellung entworfene Comic-Stadtplan von Verena Braun kartographiert diese verschiedenen Akteure auf spielerische Weise und vermittelt so einen Überblick auf das Geschehen. Parallel fängt eine großformatige Projektion Hamburg, seine bekannten Sehenswürdigkeiten und versteckten Winkel, aus Sicht der Comickünstler ein. Hinzu kommen Originalzeichnungen von namhaften Hamburger Zeichnern wie Isabel Kreitz, Arne Bellstorf, Philip Cassirer und Sascha Hommer, die Einblick geben in den Entstehungsprozess von Comics und Graphic Novels.

Ausstellungsdauer: 20.12.2013 bis 04.05.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

ArtKiss-Wertung:
Ganz okay, gutes Mittelmaß.

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Ausstellungsplakate: das sind in der Regel Abbildungen vom besten Exponat einer Ausstellung, versehen mit einem Text, der über Zeit und Ort informiert. Mit ihren attraktiven Reproduktionen von Kunstwerken sind sie eine beliebte Dekoration in Wohnungen. Die Plakate des Museums für Gestaltung in Zürich sehen anders aus.

Überraschung als Konzept - Blick in die Ausstellung 3

Überraschung als Konzept – Blick in die Ausstellung

Das renommierte Designmuseum verfügt über eine der besten Plakatsammlungen der Welt. Seit Jahrzehnten vergibt es die Plakataufträge für eigene Ausstellungen nicht an Werbeagenturen, für die Plakate Teil des Erscheinungsbildes wären, sondern an individuell arbeitende Designer. Ihnen werden bei der Gestaltung des Plakates keinerlei Einschränkungen auferlegt: Kein Logo, keine bestimmte Schrift, kein Motiv ist vorgegeben. So kommt es, dass jedes Plakat dieses Museums anders aussieht.

Manche Gestalter gehen an die Grenzen der Lesbarkeit, andere arbeiten mit stark vergrößerten Details, wieder andere machen die Schrift selbst zum Blickfänger. Das Plakat ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern feiert sich selbst – es wird zum Kunstwerk aus eigenem Anspruch. Ganz nebenbei gerät die Ausstellung mit rund 80 Plakaten im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) auch zu einer Leistungsschau führender Schweizer Grafiker. Darunter so hervorragende Plakatkünstler wie Ralph Schraivogel, Cornel Windlin oder Martin Woodtli. Ein Großteil der gezeigten Plakate verbleibt nach der Ausstellung als Geschenk in der Sammlung des MKG.

Überraschung als Konzept - Blick in die Ausstellung 2

Überraschung als Konzept – Blick in die Ausstellung

Schweizer Plakate haben einen besonderen Ruf. Sie sind groß, hervorragend gedruckt und modern gestaltet. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde in der Schweiz das sogenannte Weltformat eingeführt: 90,5 x 128 cm. Die Welt hat sich freilich nicht daran beteiligt; große Nachbarländer wie Frankreich oder Deutschland haben eigene Standards entwickelt, aber der Name blieb erhalten. Bis heute dominiert in der Schweiz, auch in der kommerziellen Plakatwerbung, das Weltformat und trägt wesentlich dazu bei, dass selbst die Plakatierung hier einen „ordentlichen“ Eindruck macht.

Überraschung als Konzept - Blick in die Ausstellung 1

Überraschung als Konzept – Blick in die Ausstellung

Ausstellungsdauer: 17.12.2013 bis 30.03.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

Max Sauerlandt (1880-1934), zweiter Direktor des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG), pflegte einen besonders intensiven Austausch mit Künstlern wie Richard Haizmann, Rolf Nesch, Karl Ballmer und Karl Kluth, die in den 1920er Jahren maßgeblich die lokale Hamburger Kunstszene prägten. Ihnen widmet sich die Neupräsentation der Sammlung der Hamburger Sparkasse im MKG.

Sauerlandt gehörte zu den wichtigen Förderern der modernen Kunst in Hamburg. Unter seiner Leitung entwickelt sich das MKG in den 1920er und frühen 1930er Jahren zu einem der bedeutenden Häuser für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Während seiner Amtszeit zwischen 1919 und 1933 kauft er etwa 300 zeitgenössische Werke an. Ein Großteil wird 1937 im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt. Diese empfindliche Lücke kann in der Nachkriegszeit durch Schenkungen oder Neuankäufe nur teilweise geschlossen werden. Dank der Dauerleihgabe der Hamburger Sparkasse ist die als Hamburger Sezession bekannte Kunstperiode, die durch Sauerlandt entscheidende Impulse erhält, im MKG wieder vertreten.

Die rund 40 in der Haspa-Galerie gezeigten Werke werden ergänzt durch Arbeiten dieser und weiterer Künstler wie Moissey Kogan, Hans Martin Ruwoldt oder Naum Slutzky aus der Sammlung des MKG. Sie werden im neu eingerichteten Ausstellungsbereich „Hamburger Moderne“ gezeigt.

Ausstellungsdauer: 14.06.2013 bis 28.01.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Sie sind so klein, dass man sie einfach einatmen könnte – die Skulpturen des englischen Bildhauers Willard Wigan. Ihm selbst ist das schon passiert. Die Wolkenkratzer, Bäume, Figuren und Märchenszenen sind weniger als 0,005 Millimeter groß. Daher sind in der Ausstellung Mikroskope vorbereitet, damit man die extrem faszinierenden Mini-Kunstwerke sehen und bestaunen kann.

Winzig auch Wigans Usain Bolt, schnellster Mann der Welt, in seiner berühmten Siegerpose. Schon als Kind faszinieren ihn Ameisen, er baut für sie Häuser. Mit Inneneinrichtung. Maßstabsgetreu.

Die Idee zu seinen heutigen Kunstwerken kommt ihm, als er einen Bibelspruch hört: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich kommt.“ Das stachelt Wigans Ehrgeiz an. Mit Hilfe eines Mikroskops schafft er am Ende etwas Unglaubliches: Durch sein Nadelöhr passt eine ganze Karawane – neun Kamele aus Teppichfasern. Stillhalten ist hier die größte Gabe – jahrelanges Training die Voraussetzung. Sogar das Echo vom Verkehr draußen kann seine Arbeit beeinträchtigen. Darum zieht er sich an ruhige Orte zurück oder arbeitet nachts. Um seine Mikroskulpturen zu perfektionieren, lernt Wigan Herzschlag und Puls zu kontrollieren. Dafür trainiert er wie ein Spitzensportler. Besonders filigrane Arbeiten erledigt er in den anderthalb Sekunden zwischen zwei Herzschlägen, den Pulsschlag im Finger benutzt er wie einen Presslufthammer. Und nachdem er aus Versehen schon mal Alice (im Wunderland) inhaliert hat, achtet er präzise auf seine Atmung. Er selbst nennt es: „death man working“. Sein Spezialwerkzeug baut er sich selbst – aus Nadeln mit Rubin- und Diamantsplittern. Als Pinsel benutzt der die Wimpern vom äußeren Ende seines Augenlides. Für seine Figuren und Szenerien verarbeitet der 56-jährige Künstler Materialien wie Gold, Teppichfasern, Reste von Nylonetiketten und Kabelbindern. Die Skulpturen erzielen auf dem Kunstmarkt mittlerweile astronomische Preise.

Der Startschuss für die ungewöhnliche Karriere fällt vor über 50 Jahren: Als Wigan mit fünf Jahren in die Schule kommt, hat er es schwer. Er leidet an Legasthenie, wird von Mitschülern und Lehrern gehänselt. Er zieht sich zurück in eine eigene Welt und baut dort für Ameisen ganze Wohnkomplexe mit Mobiliar und Ausstattung. Er glaubt, dass wenn man sein Werk nicht sehen kann, es auch nicht kritisiert werden kann. Oft beschrieben als „nichts“, nimmt sich Wigan vor, der Welt zu zeigen, dass „nichts“ nicht existiert. „Meine Arbeit ist eine Reflexion meiner selbst“, sagt Wigan. „Ich möchte der Welt zeigen, dass die kleinen Sachen die größten Dinge sein können. In der Schule konnte ich mich nicht ausdrücken und ich habe mich wie ein niemand gefühlt. Ich wollte mit dieser Welt experimentieren, die wir nicht sehen können.“ Von da an fesselt ihn die Welt der Miniaturen. Er stellt sich fortwährend neuen Herausforderungen, um Dinge immer noch kleiner zu machen.

In einem TED-Beitrag, der auch in der Ausstellung „Kleine Welten“ gezeigt wird, erklärt Willard Wigan seinen Weg zur Kunst und wie er seine Skulpturen herstellt – sehenswert!


Ausstellungsdauer: 08.12.2013 bis 16.03.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!