Mit ‘Modefotografie’ getaggte Beiträge

Ur-Leica von 1914 © Leica Camera AG

Ur-Leica von 1914 © Leica Camera AG

Die Ausstellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ beleuchtet in 14 Kapiteln Aspekte der Kleinbildfotografie – von journalistischen Strategien über dokumentarische Ansätze bis hin zu freien künstlerischen Positionen. Im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg werden u.a. Arbeiten von Alexander Rodtschenko, Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Christer Strömholm, Robert Frank, Bruce Davidson, William Klein, William Eggleston, René Burri, Thomas Hoepker, Bruce Gilden präsentiert.

Rund 550 Fotografien von über 140 Künstlern, ergänzt um dokumentarisches Material – Zeitschriften, Magazine, Bücher, Werbemittel, Broschüren, Kameraprototypen, Filme – rekapitulieren die Geschichte der Kleinbildfotografie von den Anfängen bis in unsere Tage. Man sollte ungefähr 1 1/2 Stunden für den Besuch der Ausstellung einplanen, um alles sehen und lesen zu können.

Ausstellungsdauer: 24.10.2014 bis 11.01.2015

Website: www.deichtorhallen.de

ArtKiss-Besuch: 08.11.2014

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

 

Das Grand Palais in Paris zeigte 2012 diese retrospektive Ausstellung die erste Übersichtspräsentation seit dem Tod des Fotografen Helmut Newton in der französischen Hauptstadt, in der er in den 1960er und 1970er Jahren lebte und so erfolgreich wirkte. Anhand von mehr als 200 Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen aus allen wichtigen Werkgruppen Newtons sorgte sie dort für eine breite Publikums- und Medienresonanz. Jene Ausstellung kehrt nun zu ihrem Ausgangspunkt in die Helmut Newton Stiftung nach Berlin zurück. Vor diesem Hintergrund ist auch der Ausstellungstitel zu verstehen. Manche Aufnahmen waren hier bereits in früheren Ausstellungskontexten zu sehen, andere werden zum ersten Mal gezeigt. Daneben finden sich Porträts zahlreicher Prominenter von Pierre Cardin bis Margaret Thatcher, Modebilder für die Modemagazine aus den 1960er bis 1990er-Jahren sowie Akt- und Produktaufnahmen.

Die Helmut Newton Stiftungfeiert mit dieser Ausstellung ein Jubiläum: Helmut Newton gründete im Herbst 2003 eine Stiftung und schloss einen Kooperationsvertrag mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Nach einer kurzen Umbauphase öffnete das „Museum für Fotografie“ im Sommer 2004 mit einer Doppelausstellung, die Newton selbst nicht mehr erleben konnte, da er kurz zuvor in Los Angeles verstarb.

Auf Einladung von June Newton stellt nun der berühmte amerikanische Porträtfotograf Greg Gorman in „June’s Room“ – parallel zur Newton-Ausstellung – Männerakte aus, eine spannungsvolle Kombination mit den Frauenakten Newtons in den anderen Ausstellungsräumen. Für seine Berliner Präsentation „Men“ wählte Gorman 25 Motive aus, die zwischen 1988 und 2012 überwiegend im Studio in Los Angeles entstanden sind. Die jungen Männer, teilweise in Gruppen, bewegen sich vor Gormans Kamera wie Tänzer auf einer leeren Bühne; es sind zeitlose, sinnliche Aktporträts.

Sehr sehenswert und ein Muss bei einem Besuch des Museums für Fotografie: der Ausstellungsbereich „Helmut Newton’s Private Property„. Im Erdgeschoss des Museums sind unter anderem Newtowns Kameras, seine eigene Foto- und Kunstsammlung, seine Bibliothek und Teile seines Büros in Monte Carlo, das berühmte Newton-Mobil, Plakate seiner Ausstellungen sowie zahlreiche Publikationen der Fotografien von Helmut Newton zu sehen.

Ausstellungsdauer: 01.11.2013 bis: 18.05.2014

Website: www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-fuer-fotografie

ArtKiss-Besuch: 09.03.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Das Werk des legendären französischen Fotografen Guy Bourdin (1928–1991) wird bis 26. Januar 2014 im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg präsentiert. Die bisher umfangreichste Guy Bourdin-Ausstellung stellt sowohl eine Auswahl der beeindruckendsten Modestrecken und Kampagnen Bourdins vor, als auch bisher unveröffentlichtes Material aus seinem
persönlichen Archiv.

Zum ersten Mal sind sein malerisches Werk und seine filmischen Notizen der Öffentlichkeit zugänglich. Darüber hinaus werden Polaroid-Fotos, Skizzen und Texte sowie Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 1950ern präsentiert, die Künstlerporträts und Pariser Stadtansichten zeigen. Die Ausstellung zeichnet damit nicht nur das fotografische, malerische und filmische Gesamtwerk Bourdins nach, sondern gibt auch Einblicke in die Arbeits- und Denkweise dieses visionären Image-Makers.

In seiner über 50-jährigen Schaffenszeit hat Bourdin für die führenden Modehäuser und -magazine gearbeitet. Mit dem Blick eines Malers schuf er komplexe Bilder, die in unglaublichen Kompositionen faszinierende Geschichten in Schwarz-Weiß und Farbe erzählen. Er war einer der ersten Fotografen, der in Werbe- und Modefotografien anstelle eines Produkts eine Erzählung zum Bildinhalt erhob. Mit dem Medium der Modefotografie vermittelte er seine Botschaft und erforschte die zwischen dem Erhabenen und dem Absurden changierenden Bereiche. Berühmt für seine narrativen Bildinhalte und seine surreale Bildsprache, die Verbindung einfacher Objekte mit mehrdeutigen, oft rätselhaften Subtexten, brach Bourdin radikal mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie.

Guy Bourdins Karriere begann in den 1950er Jahren mit schwarz-weißen Modeaufnahmen für die Pariser Vogue. Es ist nahezu unbekannt, dass die Hälfte von Bourdins OEuvre aus Schwarz-Weiß-Fotografien besteht, die ebenso kraftvoll sind, wie seine bekannten Farbaufnahmen. Diese Farbfotografie steigerte er mit dramatischen kompositorischen Akzenten und intensiver Farbsättigung zur maximalen Ausdruckskraft.

Im Format der Doppelseite sah Bourdin eine künstlerische Herausforderung. Er behandelte die Doppelseite nicht wie zwei Einzelseiten, sondern als eine Gesamtseite mit Falz. Er schneiderte seine Kompositionen auf die konzeptuellen und grafischen Besonderheiten der Doppelseite zu – das Spiegelbild-Motiv, das zentral für seine Arbeiten ist, findet hier seine Entsprechung: Layout und Design des Magazins werden wichtige Metaphern für das fotografische Medium und sprechen damit Auge und Verstand gleichermaßen an. Während Bourdin formale Elemente benutzte, wollte er gleichzeitig das Realistische der Fotografie überwinden, indem er das dargestellte Motiv ins Surreale abwandelte und die Bildoberfläche unkonventionell manipulierte. Mit seinem kreativen Freigeist und einer kompromisslosen Arbeitsmoral gab Guy Bourdin der Fantasiewelt der Generation der späten 1970er Jahre eine bildliche Entsprechung.

Ausstellungsdauer: 01.11.2013 bis 26.01.2014

Website: www.deichtorhallen.de

ArtKiss-Besuch: 09.11.2013

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!