Mit ‘Frankfurt’ getaggte Beiträge

In einer großen Überblicksausstellung präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt erstmals ein breites Panorama der Pop Art in ihrer spezifisch deutschen Variante – ein bisher kaum beachtetes kunsthistorisches Phänomen. Pop, der in Großbritannien und den USA seinen Anfang nahm und sich dort rasch als gattungsübergreifende Universalkultur etablierte, erfuhr in den 1960er-Jahren in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland eine originelle künstlerische Ausprägung.

Die in Westdeutschland lebenden Künstlerinnen und Künstler wie Thomas Bayrle, Christa Dichgans, K. H. Hödicke, Konrad Klapheck, Ferdinand Kriwet, Uwe Lausen, Sigmar Polke oder Gerhard Richter setzten sich – im Gegensatz zu den angloamerikanischen Künstlerkollegen mit ihrem oft plakativen und glamourösen Vokabular – in ihren Arbeiten mit den weniger grandiosen Banalitäten des deutschen Alltagslebens auseinander, ironisieren die kleinbürgerlichen Geschmacksideale und die beklemmende und trügerische Gemütlichkeit der 1960er-Jahre. Auf die Phase des Wirtschaftswunders folgte eine der politischen Aufarbeitung der damals jüngsten deutschen Vergangenheit. In der Bildenden Kunst suchte man nicht nur nach einem neuen Kunstbegriff und einer neuen Identität, hier fanden auch Prozesse der Demokratisierung statt.

Das Konzept der Ausstellung beleuchtet die vier maßgeblichen Zentren der Pop Art in Deutschland: Düsseldorf, Berlin, München und Frankfurt am Main. Sie brachten die Pop Art in ihrer Schlüsselphase als eigene großstädtische Kunstform zur Ausprägung.

„German Pop“ vereint rund 150 Kunstwerke und Dokumentationsmaterialen von 34 Künstlerinnen und Künstlern, darunter sowohl etablierte als auch längst vergessene und weitestgehend unbekannte Protagonisten der deutschen Pop Art. In der Ausstellung sind beeindruckende und überraschende Arbeiten zu sehen, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt wurden oder sogar noch nie öffentlich zugänglich waren. „German Pop“ versteht sich als Archäologie eines Jahrzehnts – den 1960er- bis frühen 1970er-Jahren –, die mit Gemälden, Objekten und Skulpturen, Filmen, Collagen und Grafiken eine Bestandsaufnahme der deutschen Pop Art leistet.

Ausstellungsdauer: 06.11.2014 bis 08.02.2015

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 21.12.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

In einer umfangreichen Einzelpräsentation widmet sich die Schirn Kunsthalle Frankfurt noch bis zum 11. Januar 2015 der wichtigsten Künstlerin der finnischen Moderne: Helene Schjerfbeck (1862–1946).

Helene Schjerfbeck Selbstbildnis mit schwarzem Hintergrund, 1915 45,5 x 36 cm Öl auf Leinwand Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery, Helsinki © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Helene Schjerfbeck – Selbstbildnis mit schwarzem Hintergrund, 1915
45,5 x 36 cm Öl auf Leinwand Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery,
Helsinki © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Mehr als 85 Gemälde und Arbeiten auf Papier geben einen vollständigen Einblick in die kühne Bilderwelt der in Helsinki geborenen Malerin und Zeichnerin. Die in Deutschland für viele noch zu entdeckende, aber in Skandinavien, besonders in Finnland hoch geschätzte und als nationale Ikone gefeierte Schjerfbeck hat in über 60 Jahren ein umfangreiches, eindrückliches Werk geschaffen, in dessen Mittelpunkt die menschliche Figur steht: Bildnisse junger Frauen mit modischen Accessoires, Männerakte, Protagonisten in Historienbildern und vor allem sie selbst in zahlreichen Selbstporträts.

Anfänglich dem naturalistischen Realismus zugewandt, entwickelte sich Helene Schjerfbeck zu einer modernen, avantgardistischen Künstlerin mit einer reduzierten Formensprache und Farbpalette. Trotz einer deutlichen Tendenz zur Abstraktion blieb sie vornehmlich der figürlichen Malerei verbunden. Schjerfbecks gesamtes OEuvre ist durch die Wiederholung von Motiven sowie das Arbeiten nach Bildvorlagen gekennzeichnet, die sie zu hybriden Bildfiguren zusammensetzt.

Diese Prinzipien werden sowohl in ihren eindringlichen Selbstporträts als auch in zahlreichen Werken sichtbar, in denen sie Motive von bedeutenden alten Meistern wie etwa Hans Holbein d. J. und El Greco oder von Zeitgenossen wie Constantin Guys aufgreift. Zudem schuf sie außergewöhnliche Frauenbildnisse, die auch ihr gesteigertes Interesse an der Mode der Zeit verdeutlichen – ein Aspekt, der in der kunsthistorischen Forschung bislang wenig beachtet wurde und nun erstmals in der Schirn-Ausstellung näher beleuchtet wird.

Ausstellungsdauer: 02.10.2014 bis 11.01.2015

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 21.12.2014

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Ottmar Hörl: Goethe-Installation, 2014, Frankfurt/Main Foto: Georg Stelzner

Ottmar Hörl: Goethe-Installation, 2014, Frankfurt/Main Foto: Georg Stelzner

Seit vielen Jahren überrascht der international berühmter Konzeptkünstler Ottmar Hörl die Welt mit verblüffenden plastischen Konzepten, basierend auf der Maxime „Skulptur als Organisationsprinzip“. Seine Vision: Möglichst viele Menschen in einen kulturellen Diskurs miteinbeziehen.

Hörl ist nicht nur Künstler sondern auch Professor für Bildende Kunst und Präsident der Akademie für Bildende Kunst in Nürnberg. Er hat – wie Johann Wolfgang von Goethe – in Frankfurt gelebt. So studierte er an der Städel Schule, der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste. Zahlreiche seiner Werke prägen die Main-Metropole, darunter die weltweit in den Medien präsente „Euro-Skulptur“.

Jüngst hat er anlässlich des 100. Geburtstags der Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit einer temporären Kunst-Installation aus 400 Goethe-Figuren die Grünfläche auf dem Campus Westend vor dem Haupteingang des IG Farben-Hauses in eine Identität stiftende, bildstarke, kommunikative Großskulptur verwandelt.

Jeweils 100 Exemplare aus Kunststoff, 107 cm hoch, symbolisieren in vier verschiedenen Farben (enzianblau, purpurrot, honiggelb und türkisgrün) die historischen Fakultäten der Universität. Goether beschäftigte sich auch intensiv mit Farben und verfasste das Werk „Zur Fabenlehre“. Dieses Werk ist die Grundlage für den Begriff „Farbenlehre„.

Als Absolvent der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät habe ich mir eine signierte türkisgrüne Skulptur gegönnt:

Ottmar Hörl - Goethe, 2014

Ottmar Hörl – Goethe, 2014

Ausstellungsdauer: 11.06.2014 bis 21.07.2014

Website: www.ottmarhoerl.de

Emil Nolde. RetrospektiveDas Städel Museum widmet sich noch bis zum 15. Juni 2014 in einer umfangreichen Ausstellung dem Schaffen eines der bedeutendsten deutschen Expressionisten, Emil Nolde (1867–1956). Obwohl in zahlreichen thematischen Sonderausstellungen vertreten, wurde Noldes Werk in Deutschland seit 25 Jahren nicht mehr in einer Retrospektive gewürdigt. Zu sehen sind rund 140 Arbeiten, darunter Meisterwerke wie Frühling im Zimmer (1904), Das Leben Christi (1911/12) oder Kerzentänzerinnen (1912), aber auch einige bisher nicht außerhalb von Seebüll gezeigte Gemälde und Grafiken des Künstlers.

Die Werkauswahl reicht von expressionistischen Landschaften über rauschende Berliner Nachtszenen und exotische Südseemotive bis hin zu religiösen Darstellungen. Einer lockeren Chronologie folgend, umfasst die Retrospektive Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen des Künstlers, die auf beiden Stockwerken des Ausstellungshauses in zwölf Kapiteln gezeigt werden.

Ausstellungsdauer: 05.03.2014 bis 15.06.2014

Website: www.staedelmuseum.de

ArtKiss-Besuch: 31.05.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Die unter dem Städel-Garten platzierte lichtdurchflutete Ausstellungshalle mit ihren 195 signifikanten kreisrunden Oberlichtern hat rund 3.000 m² zusätzliche Ausstellungsfläche gebracht und damit den Umfang der Sammlungspräsentation im Städel verdoppelt.

Das Städel Museum ist seit seiner Gründung vor 200 Jahren ein einzigartiges Bildermuseum, das von Beginn an jeweils die Kunst seiner Zeit als integralen Bestandteil der Sammlung erworben hat, sei es die Kunst der Nazarener zu Beginn des 19. Jahrhunderts oder später der Impressionisten und Expressionisten.

Im Erweiterungsbau wird die Sammlung der Gegenwartskunst im Städel Museum erstmals einen adäquaten Platz erhalten. Diese Sammlung hat – aufbauend auf einem bedeutenden Bestand – in den letzten Jahren signifikante, strukturelle Zuwächse erfahren. Durch die Überlassung von 600 Werken aus der Sammlung Deutsche Bank und die Übergabe von 220 Fotografien bzw. Werkkomplexen aus der DZ Bank Kunstsammlung 2008 sowie durch zahlreiche bedeutende Schenkungen und eine konsequente Ankaufspolitik, die wesentlich durch das Städelkomitee 21. Jahrhundert unterstützt wird, sind insgesamt rund 1.200 Werke der Gegenwartskunst in die Sammlung des Städel gelangt.

Mit dem 2012 fertiggestellten Erweiterungsbau sind im Städel 700 Jahre abendländischer Kunstgeschichte unter einem Dach in einer ebenbürtigen Präsentation erlebbar: alte Meister, die Kunst der Moderne und die Gegenwartskunst.

J. H. Wilhelm Tischbein, Goethe in der römischen Campagna, 1787, Öl auf Leinwand

J. H. Wilhelm Tischbein, Goethe in der römischen Campagna, 1787, Öl auf Leinwand

Website: www.staedelmuseum.de

ArtKiss-Besuch: 21.01.2014

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

Internationale Hollywoodstars wie Robert de Niro, Cary Grant, Marilyn Monroe, James Dean oder Paul Newman bilden vorzugsweise das Fundament der künstlerischen Arbeit Axel Criegers. Seine Stilsicherheit und Ästhetik gepaart mit seinem fotografischen Auge sind der Mix aus dem überzeugende Fotocollagen entstehen. Wie ein Komponist kreiert Axel Crieger aus diversen Einzelelementen imposante Werke.

Dass der Künstler als professioneller Fotograf und Designer viele seiner „Icons“ persönlich traf und selbst fotografierte bzw. portraitierte kommt ihm dabei zugute. Sein Archiv umfasst mehr als 10.000 Fotos.

Website: www.axelcrieger.com und www.villakennedyhotel.de

ArtKiss-Besuch: 22.01.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Das Städel Museum präsentiert seit Oktober den wohl bedeutendsten deutschen Renaissancekünstler Albrecht Dürer (1471–1528) in einer umfassenden Sonderausstellung. Diese umfasst insgesamt über 280 Werke, darunter etwa 200 Arbeiten von Albrecht Dürer selbst.

Insgesamt zeigt die Präsentation das Schaffen des deutschen Meisters in der ganzen Breite und Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Zu sehen sind Tafel- und Leinwandbilder, Handzeichnungen, Blätter in unterschiedlichen druckgrafischen Techniken sowie von Albrecht Dürer verfasste und illustrierte Bücher. Dürers fortwährende Auseinandersetzung mit den Werken seiner deutschen, niederländischen und italienischen Künstlerkollegen ist zentrales Thema der Frankfurter Altmeisterausstellung, die Dürers Arbeiten in den historischen Kontext ihrer Entstehung stellt. Hierfür ergänzen Arbeiten von Vorläufern, Zeitgenossen und Schülern wie Martin Schongauer, Hans Baldung Grien, Hans von Kulmbach, Jacopo deʼ Barbari, Giovanni Bellini, Joos van Cleve oder Lucas van Leyden das groß angelegte Ausstellungsprojekt.

Als Maler und gelernter Goldschmied bewies der 1471 in Nürnberg geborene Albrecht Dürer sein Können in den unterschiedlichsten Medien: Der viel beschäftigte Tafelmaler, gefeierte Porträtist, Meister des Holzschnitts und Revolutionär des Kupferstichs realisierte aufwendige Auftragsarbeiten für Kaufleute, Adlige und Kaiser, entwarf aber auch Werke für andere künstlerische Techniken und arbeitete gemeinsam mit Glas-, Buch- und Wandmalern, Bildhauern und Goldschmieden. Dürer bildete sich darüber hinaus auch in theoretischen Themengebieten weiter, ging wissenschaftlichen Fragestellungen nach, erforschte Natur und Mensch und schrieb und veröffentlichte Lehrbücher zu seinen so gewonnenen Erkenntnissen. Aufenthalte in Oberitalien und in den Niederlanden weiteten Dürers künstlerische Perspektive und erschlossen ihm zugleich neue Absatzmärkte. Dürers Ehefrau und auch seine Mutter unterstützten ihn beim Verkauf seiner Werke und organisierten den Messevertrieb. Bald war Dürer so erfolgreich, dass er eine Werkstatt gründete, ein eigenes „Copyright“ einführte und Handlungsreisende damit beauftragte, seine Kunst über die Stadtgrenzen hinaus zu verkaufen. Albrecht Dürer starb 1528 wohl an den Folgen einer Malaria-Erkrankung im Alter von 57 Jahren.

Nach 15 Wochen Laufzeit endet die große Dürer-Ausstellung am Sonntag, den 2. Februar 2014. Insgesamt werden bis zum Ende der Präsentation über 250.000 Besucher, darunter 23 % aus dem Ausland, die Ausstellung zum Renaissance-Künstler gesehen haben. Damit übertrifft „Dürer“ große Frankfurter Besuchererfolge wie „Rembrandt Rembrandt“ (2003) mit 245.000 Besuchern und „Cranach der Ältere“ (2007/08) mit 205.000 Besuchern und wird zur zweiterfolgreichsten Ausstellung in der knapp 200-jährigen Geschichte des Städel Museums. Erfolgreicher war bislang lediglich die Botticelli-Ausstellung 2009 mit 367.033 Besuchern.

Ausstellungsdauer: 23.10.2013 bis 02.02.2014

Website: www.duerer-in-frankfurt.de

ArtKiss-Besuch: 21.01.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Gemeinsam mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert die US-amerikanische Künstlerin Roni Horn (*1955) eine erweiterte Form ihrer 2005 konzipierten fotografischen Arbeit „Portrait of an Image (with Isabelle Huppert)“: 16 ausgewählte Motive des seriell angelegten Werkes sind als irritierende Interventionen im Frankfurter Stadtraum verteilt, während die gesamte, 100-teilige Porträtserie in den Rotundenumgängen der Schirn gezeigt wird.

Die Inszenierung im öffentlichen Raum ist innerhalb des künstlerischen OEuvres Roni Horns in dieser Form bisher einmalig. Die zweiteilige Serie „Portrait of an Image (with Isabelle Huppert)“ – je 50 Fotografien in Sequenzen à fünf Motive – basiert auf einer Zusammenarbeit zwischen Horn und der französischen Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert. Gemeinsam wählten sie frühere Rollen Hupperts aus, die dann für die Kamera von der Schauspielerin wieder aufgeführt wurden. Für diese fotografischen Aufnahmen vergegenwärtigte sich Huppert ihr Repertoire, ohne Drehbücher oder die Filme selbst zu Hilfe zu nehmen, allein anhand ihrer Erinnerung.

Von der Schirn ausgehend, platziert Horn eine Auswahl dieser Motive im öffentlichen Raum in einer Weise, die diese nicht als Teil ihrer Arbeit oder als künstlerisches Projekt erkennen lassen: Weder werden die Künstlerin oder die sie ausstellende Institution namentlich genannt, noch ist die Arbeit durch einen Titel als künstlerisches Werk gekennzeichnet. 16 Motive tauchen im Frankfurter Stadtraum an Orten auf, an denen üblicherweise Werbung zu sehen ist – Werbung, die in unserer Gesellschaft größtenteils auf die Wirkungskraft von Gesichtern vertraut. In Horns Arbeit aber erscheinen Porträts kommentarlos und werfen dadurch Fragen auf, etwa danach, wie und ob wir das Gesicht unseres Gegenübers auch ohne vorgegebenen Kontext lesen können.

Die Konfrontation mit diesen Gesichtern im Stadtbild bietet Gelegenheit zu unerwarteten, zufälligen Begegnungen und zu wiederkehrenden Zusammentreffen, wie sie im alltäglichen sozialen Miteinander geschehen. Bereits Ende September bis Anfang Oktober 2013 waren vorrübergehend ausgewählte Motive der Serie im Frankfurter Stadtraum sichtbar, sodass die Bilder nun teilweise einen ersten unbewussten Wiedererkennungseffekt erzeugen können. Bereits vor dem offiziellen Ausstellungsbeginn werden die Gesichter Isabelle Hupperts in U-Bahnstationen und -waggons sowie auf Großflächen punktuell plakatiert.

Diese Plakatierung verdichtet sich über mehrere Tage hinweg. Einige Orte sind über eine längere Dauer bespielt wie etwa eine sich drehende Werbefläche unter einer städtischen Großuhr am Frankfurter Allerheiligentor sowie der Holbeinsteg über den Main, über den ein mit einem Foto bedrucktes Banner gespannt ist. Am ersten Ausstellungstag sowie zu einem weiteren Termin werden in hessischen Bahnhöfen, wie Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Kassel, Fulda, Gießen, Darmstadt und Hanau, Motive auf 110 digitalen Werbeflächen erscheinen und wieder verschwinden. Damit ist eine zentrale Eigenschaft dieser Arbeit umgesetzt, die sich nicht nur durch ihre Konzeption und die Protagonistin mit der Kunst des Schauspiels auseinandersetzt, sondern selbst ausschließlich in der Realisierung, gewissermaßen der Aufführung, nämlich durch eine Ausstellung sichtbar wird und ähnlich wie das Bühnengeschehen nur zeitlich begrenzt erfahrbar ist. Im Unterschied zu anderen fotografischen Arbeiten Roni Horns existiert „Portrait of an Image“ nur in dieser Form. Sie ist nicht in einer alle Einzelbilder umfassenden, beständigen Publikation festgehalten.

Ausstellungsdauer: 12.12.2013 bis 26.01.2014

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 22.12.2013

Das mutige und außergewöhnliche Werk des US-amerikanischen Malers Philip Guston (1913–1980) war eines der meistdiskutierten seiner Zeit. Guston brachte als Erster die Figur in die amerikanische Nachkriegsmalerei, leistete durch die Verbindung von „hoher Kunst“ und Bildern der Populärkultur Bahnbrechendes und wird heute als Vorreiter der postmodernen figürlichen Malerei gefeiert.

Philip Guston. Das grosse Spätwerk. Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2013. Foto: Norbert Miguletz

Philip Guston. Das grosse Spätwerk. Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2013. Foto: Norbert Miguletz

Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt das Spätwerk von Philip Guston und damit einen Meilenstein der amerikanischen Malerei. Mit einer Auswahl von 70 Gemälden und Zeichnungen vereint die Ausstellung  Leihgaben aus dem Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, oder dem Stedelijk Museum, Amsterdam. Dennoch kommt einem die Ausstellung sehr klein vor. Wahrscheinlich deswegen, weil an einer Wand allein 32 kleinformatige Bilder gezeigt werden.

Im Laufe der 1950er-Jahre fasste der Autodidakt Guston in der New Yorker Kunstszene Fuß und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus mit Jackson Pollock, Willem de Kooning oder Mark Rothko. Ende der 1960er-Jahre begann eine intensive Phase des Zeichnens. Diese gipfelte schließlich innerhalb seiner Malerei zu einem Bruch mit dem „Reinheitsgebot“ der Abstraktion: Guston führte derbe Figuren und Figurenfragmente in seine Werke ein; rauchend, trinkend, nicht selten auch malend bevölkern sie die in den Farben Pink, Rot, Schwarz und Blau gehaltenen Leinwände. Große Köpfe, behaarte Beine, klobige Schuhe und allerlei Architekturfragmente wie Mauern, Türen und Glühbirnen gehören zu Gustons Motiven, die an Comics der 1920er-Jahre erinnern. Seine Bilder werden häufig als Vorläufer des „Bad Painting“ verstanden.

Die großformatigen Werke begegnen dem Betrachter mit unvermittelter Vehemenz. Der formalen Schwere, inhaltlichen Offenheit und scheinbaren Verrätselung liegen eine tiefgründige Sensibilität und weitreichende inhaltliche wie malerische Überlegungen des Künstlers zugrunde. Die erste Ausstellung dieser mit anarchischem Sinn für Humor und für das Groteske ausgestatteten Gemälde geriet 1970 zum New Yorker Kunstskandal. Den „Verrat“ an der Abstraktion verübelten ihm viele Kritiker. Bis heute übt Gustons rätselhaftes Spätwerk in seiner Intensität und verstörenden Kraft großen Einfluss auf viele jüngere Künstler aus.

Ausstellungsdauer: 06.11.2013 bis 02.02.2014

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 22.12.2013

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…