Mit ‘Fotograf’ getaggte Beiträge

Helmut Newton gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Das Ernst Barlach Museum Wedel zeigt zu seinem 100. Geburtstag eine große Überblicksausstellung.

Iman, American Vogue, Hotel Negresco, Nice 1989 © Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Iman, American Vogue, Hotel Negresco, Nice 1989
© Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Kein Fotograf seiner Zeit hat aufwendigere und provozierendere Bildinszenierungen geschaffen als Helmut Newton. Seine Mode- und Aktfotografie wirkt auch heute noch so aufregend und exzessiv, weil sie unmittelbar auf die individuellen Grenzen von Stilgefühl, Geschmack und Moral des Betrachters zielt. Die Körper seiner Modelle sind weniger in Kleider als in eine subtile sexuelle Spannung gehüllt, die zeitübergreifend alles Modische hinter sich lässt. Newtons Aufnahmen präsentieren die weiblichen Aktmodelle stark und selbstbewusst, obwohl seine Bildsprache unterschwellig mit komplexen Narrativen von Dekadenz, Sex und Macht durchzogen ist.

Fashion Yves Saint Laurent, French Vogue, Paris 1979 © Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Fashion Yves Saint Laurent, French Vogue, Paris 1979
© Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Als Helmut Neustädter wurde Newton am 31. Oktober 1920 in Berlin in einer jüdischen Fabrikantenfamilie geboren und starb am 23. Januar 2004 in Los Angeles. Bis 1936 besuchte er das Gymnasium in Berlin, welches er aber abbrach, um sich ganz dem Fotografieren zu widmen. Er begann im selben Jahr eine Lehre bei der jüdischen Fotografin Yva (Else Neuländer-Simon), die nach Berufsverbot 1938 ihr Atelier schließen musste und später von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Kurz nach seinem 18. Geburtstag, am 5. Dezember 1938, flüchtete Newton aus Berlin in Richtung Asien. 1940 kommt er über Singapur nach Australien und wird 1946 australischer Staatsbürger. Ab 1956 wurde die australische Ausgabe der Vogue sein Hauptauftraggeber und machte ihn international bekannt. In den 1970er Jahren wurde Newton zu einem der begehrtesten und teuersten Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotografen der Welt. Er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

Im April 2000 erregte Newtons SUMO-Bildband großes Aufsehen, als das Exemplar Nummer eins den Rekord für das größte, schwerste und teuerste Buch des 20. Jahrhunderts brach. SUMO ist kein normales Buch. Es ist ‚The Best Of‘ Newtons Lebenswerk, ein Kompendium, das jeden Aspekt seiner herausragenden Karriere abdeckt. Von seiner Frau, der Künstlerin June Newton und dem Verleger Benedikt Taschen gestaltet, ist SUMO ein Bekenntnis zu der unvergleichlichen fotografischen Größe von Helmut Newton.

Elizabeth Taylor, Vanity Fair, Los Angeles 1989 © Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Elizabeth Taylor, Vanity Fair, Los Angeles 1989
© Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Wir sehen Fotografien der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt in selbstbewusstem Gestus, eingewoben in die Interieurs mondäner Villen oder hineingestellt in surreale Landschaften. Aber wir sehen auch herausragende Porträtfotografien, etwa der von Helmut Kohl, David Hockney oder dem schlafenden Andy Warhol, mit denen Helmut Newton Meisterwerke auch dieser Gattung geschaffen hat.

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht „100 Jahre Helmut Newton“

Die Ausstellung „Helmut Newton“ zeigt nahezu sämtliche Fotoseiten des SUMO-Buches in Originalgröße, vom Boden bis zur Decke, Raum für Raum, Seite für Seite, in kluger Auswahl, Newtons Lebenswerk als inszenierter Museumsrundgang.

Ausstellungsdauer: 10.05.2020 bis 29.11.2020

Website: www.ernst-barlach.de

ArtKiss-Besuch: 18.05.2020

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Seit über vier Jahrzehnten prägt Anton Corbijn mit seinen ikonischen Porträts das Image von Bands und Musikern wie Depeche Mode, U2 oder Tom Waits. Das Bucerius Kunst Forum widmet dem international renommierten Fotografen nun eine umfassende Schau.

Ausstellungsansicht: Anton Corbijn. The Living and the Dead, Foto: Ulrich Perrey

Ausstellungsansicht: Anton Corbijn. The Living and the Dead, Foto: Ulrich Perrey

Gezeigt werden rund 120 Arbeiten Corbijns aus 40 Schaffensjahren, darunter etwa 20 bisher unveröffentlichte Fotografien. Die Ausstellung stellt den meist im Auftrag entstandenen Musikerporträts rund 40 freie Arbeiten des Künstlers gegenüber. Dabei spürt sie der Frage nach, wann Fotografie zu Kunst wird.

Ausstellungsansicht: Anton Corbijn. The Living and the Dead, Foto: Ulrich Perrey

Ausstellungsansicht: Anton Corbijn. The Living and the Dead, Foto: Ulrich Perrey

Die Ausstellung zeigt die ikonischen Porträts von Musikern und Bands wie Joy Division, Depeche Mode, Tom Waits, U2 oder den Rolling Stones, die Corbijn berühmt gemacht haben.

 

Im Zentrum der Schau steht seine autobiografischste Serie: a. somebody. Für diese
inszenierte sich Corbijn als Musiker und fotografierte sich in der ländlichen Umgebung seines Geburtsorts Strijen.

Ausstellungsdauer: 07.06.2018 bis 06.01.2019

Website: www.buceriuskunstforum.de

ArtKiss-Besuch: 20.08.2018

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Der Kunstverein in Hamburg zeigt zu seinem 200. Jubiläum eine Einzelausstellung von Wolfgang Tillmans mit einer neuen Arbeit, die – konsequent aus den vergangenen 30 Jahren seines Schaffens entwickelt – die verschiedenen Aspekte seines Werks und seines Denkens in ein räumliches Ganzes überführt, das erstmalig nicht hauptsächlich von der Fotografie getragen ist.

WOLFGANG TILLMANS, There were 30 years between 1943 and 1973. 30 years from 1973 was the year 2003, 2004 Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne, Maureen Paley, London, David Zwirner, New York

WOLFGANG TILLMANS, There were 30 years between 1943 and 1973. 30 years from 1973 was the year 2003, 2004 Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne, Maureen Paley, London, David Zwirner, New York

Für den Kunstverein in Hamburg realisiert Tillmans eine raumfüllende Installation, die vom Ort ausgehend den speziellen Charakter der benachbarten alten Markthalle wie auch deren außenliegenden urbanen Kontext zum Ausgangspunkt nimmt, um sein zunehmend gesellschaftspolitisches Engagement neu zu artikulieren. Raum und skulpturales Denken sind, wie gerade in den präzise inszenierten Ausstellungen der letzten Jahre deutlich wird, ein zentrales Element im Werk von Wolfgang Tillmans und erfahren hier eine neue Dringlichkeit.

Speziell für den Kunstverein hat er eine Vier-Kanal-Soundarbeit geschaffen, die seiner Beobachtung zu Grunde liegt, dass „wenn ich im großen Saal stehe, ich immer eine sehr starke akustische Wahrnehmung der Außenwelt, Straße und Schiene, habe, gerade weil ich diese durch die hohen Fensteransätze nicht sehen, sondern nur hören kann“. Der Anspruch seiner Fotografie wird auf die Medien Sound und Video übertragen, welche kombiniert werden mit den Tischen Truth Study Centre (Time / Mirrored), die die Idee des Ausstellungstitels, der Spiegelung von historischen Zeitabständen, in einzelnen auf Papier gedruckten Sätzen fortsetzen.

WOLFGANG TILLMANS – Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003., Ausstellungsansicht /exhibition view, Kunstverein in Hamburg, 23.9 – 12.11 Copyright: Kunstverein in Hamburg

WOLFGANG TILLMANS – Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003., Ausstellungsansicht /exhibition view, Kunstverein in Hamburg, 23.9 – 12.11 Copyright: Kunstverein in Hamburg

Die Präsenz einer kleineren Anzahl großformatiger, bisher ungezeigter Fotografien signalisiert, dass der Künstler, sich nicht von der Fotografie abwendet, sondern die oben beschriebenen Denkprozesse auch in der Befragung seines angestammten Mediums weiterverfolgt. Die einzelnen Komponenten sind nicht neu, aber die genau choreografierte, räumliche Zusammenstellung weist in Richtung einer anderen Fokussierung, in der die Vergangenheit wie das Hier und Jetzt zum Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen, einer politischen Debatte werden.

Ausstellungsdauer: 23.09.2017 bis 12.11.2017

Website: www.kunstverein.de

ArtKiss-Besuch: 18.10.2017

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Ars Aevi ist das Museum für zeitgenössische Kunst in Sarajevo. Es wurde während des Bosnien-Krieges als „Widerstand der Kultur“ gegründet. In dem sehr provisorisch wirkenden Gebäude, dass in den nächsten Jahren durch einen von Renzo Piano geplanten Neubau abgelöst werden soll, werden etwa 130 Werke von renommierten Künstlern wie Michelangelo Pistoletto, Jannis Kounellis, Joseph Beuys und Joseph Kosuth gezeigt.

Website: www.arsaevi.org

ArtKiss-Besuch: 23.07.2017

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Berlin12-15 (3)

Anton Corbijn hat in den letzten vier Jahrzehnten mit seinen Porträts das öffentliche Image und die visuelle Identität von oft sehr bekannten Persönlichkeiten geprägt.

Seine Bilder sind keine eingefrorenen, isolierten Momente von Realität, sondern entsprechen Filmstills. Mit der bewussten formalen und auch inhaltlichen Verweigerung des gewohnten Glamours zelebriert er die Anti-Pose und den Anti-Star. Behutsam lotet Corbijn die Ambivalenz zwischen Image und Authenzität, zwischen Inszenierung und Realität, zwischen Akteur und Betrachter aus.

Für Anton Corbijn ist das Analoge im Prozess des Fotografieren elementar. Das Shooting ist für den Autodidakten jedes Mal ein Abenteuer – rausgehen, im vorhandenen Licht der jeweiligen Tageszeit Bilder machen und erst beim Entwickeln einige Tage später erkennen, was auf dem Film gebannt ist. Mit dieser Methode vermeidet der Fotograf den Versuch, ein Bild immer noch perfekter zu machen – eine der Versuchungen der digitalen Fotografie. Heutzutage wirkt diese analoge Arbeitsweise fast schon anachronistisch.

Zum 60. Geburtstag von Anton Corbijn feiert C/O Berlin den weltweit renommierten Fotografen und Regisseur in einer großen Retrospektive mit rund 600 Fotografien, Filmen und weiteren Exponaten.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: „Hollands Deep“ bietet einen Überblick über sein gesamtes Werk der vergangenen 40 Jahre – von seinen frühen schwarz-weiß Fotografien bis hin zu persönlichen Projekten und konzeptuellen Serien.

„1-2-3-4“ präsentiert seine Arbeiten aus der Musikwelt – darunter noch nie veröffentlichte Aufnahmen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Bilder von Bands und Musikern, die Anton Corbijn über eine längere Zeit begleitet hat. Seine Arbeit ist Teil der visuellen Historie von Künstlern wie Rolling Stones, U2, Nirvana, Nick Cave, Tom Waits, REM, Metallica, Johnny Rotten, Depeche Mode, Herbert Grönemeyer und anderen.

Ein Muss für jeden Fotografie- und Musik-Fan!

Ausstellungsdauer: 07.11.2015 bis 31.01.2016

Website: www.co-berlin.org

ArtKiss-Besuch: 30.12.2015

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

Boris Becker - S-Bahn Brücke, 2014, Ausstellungsansicht Evelyn Drewes Galerie

Boris Becker – S-Bahn Brücke, 2014, Ausstellungsansicht Evelyn Drewes Galerie

In einer Satellite Show zur Triennale der Photographie Hamburg  zeigt die Evelyn Drewes Galerie noch bis zum 30. Juni 2015 Arbeiten des Fotografen Boris Becker aus den Jahren 1978 bis 2014.

Boris Becker - Tanzsaal, 2014, Ausstellungsansicht Evelyn Drewes Galerie

Boris Becker – Tanzsaal, 2014, Ausstellungsansicht Evelyn Drewes Galerie

Der Fotograf Boris Becker bezeichnet sich selbst als Bildfinder. Der 1961 in Köln geborene Meisterschüler der Becher-Klasse zählt heute zu den einflussreichsten Fotokünstlern. Weniger die Symbolkraft des Motives als vielmehr die optische Wirkungskraft der Gebäude und Landschaften stehen im Fokus seines Schaffens. Becker fotografiert das Gegebene, weg von jeglicher Inszenierung, allerdings ohne dokumentarisch zu agieren. Die Bilder entwickeln sich aus neutralen Lichtverhältnissen, speziellen Perspektiven und dem Prinzip der Reihung. Die Ausstellung zeigt Auszüge seiner Arbeiten von 1978-2014 aus den Werkserien „Hochbunker“ und „Konstruktionen“.

Führung mit Krzysztof Candrowicz, dem künstlerischen Leiter der Triennale der Photographie Hamburg

Führung mit Krzysztof Candrowicz, dem künstlerischen Leiter der Triennale der Photographie Hamburg

Ausstellungsdauer: 09.05.2015 bis 30.06.2015

Website: www.evelyndrewes.de

ArtKiss-Besuch: 20.06.2015

 

Agust Sander und die  Kölner Progressiven 1920 - 1933

August Sander (1876-1964) gilt weltweit als einer der wichtigsten Wegbereiter der dokumentarisch-sachlichen Fotografie. Sein Stil beeinflusste Generationen von Fotografen.

Erstmals widmet sich eine Ausstellung in Deutschland dem fotografischen Schaffen Sanders im Kontext der mit ihm eng verbundenen Künstlergruppe der „Kölner Progressiven“. Die große Gemeinsamkeit zwischen August Sander und den „Kölner Progressiven“ bestand darin, Menschen nicht nur in ihrer Individualität und psychologischen Persönlichkeit zu erfassen, sondern sie zugleich als Mitglieder bestimmter Berufsgruppen bzw. sozialer Klassen, Schichten und Strukturen ihrer Zeit zu porträtieren. Auf diese Weise ist ein sozialpsychologisch eindringliches Gesellschaftsportrait entstanden, ein Zeitspeicher, in dem sich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft immer wieder neu sortieren und unsere diesbezüglichen Gewissheiten irritieren.

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Die Ausstellung im Ernst Barlach Museum Wedel zeigt 60 Fotografien August Sanders, die erstmals 1927 im Kölnischen Kunstverein zu sehen waren und zwei Jahre später als Sammlung unter dem Titel „Antlitz der Zeit“ herausgegeben wurden; zusammen mit etwa 40 Gemälden und Papierarbeiten der „Kölner Progressiven“ wie Heinrich Hoerle oder Gerd Arntz sowie Portraits der Künstler und ihrer Ateliers, in denen August Sander den intellektuellen Austausch der Gruppe portraitierte.

Ausstellungsdauer: 15.03.2015 bis 23.08.2015

Website: www.ernst-barlach.de

ArtKiss-Besuch: 14.05.2015

„Tableaux Pictures Photographs“ des Kanadiers Jeff Wall war die erste große Fotoausstellung im Stedelijk um nach dessen Wiedereröffnung 2012. Seit den 1980er Jahren erstellt Wall Fotos, die er in Leuchtkästen, wie man sie aus der Außenwerbung kennt, präsentiert. Er war einer der ersten Künstler, die großformatige Fotos schuf, die Straßenszenen und Interieurs, Landschaften und Stadtansichten zeigen.
Ausstellungsansicht: Jeff Wall: Tableaux Pictures Photographs 1996-2013 - Foto: Gert Jan van Rooij

Ausstellungsansicht: Jeff Wall: Tableaux Pictures Photographs 1996-2013 – Foto: Gert Jan van Rooij

Jeff Wall beschäftigt sich mit Themen wie „Beziehungen zwischen Männern und Frauen“ und „Grenze zwischen Stadt und Natur“. Er rekonstruiert in den Fotos seine eigenen Erinnerungen, kommentiert Gewalt und kulturelle Missverständnisse, zaubert mal verführerische, mal alptraumhafte Fantasien. Obwohl die Fotos wie Schnappschüsse wirken, sind sie oft aufwendig inszeniert.

Jeff Wall, Boxing, 2011, colour photograph, 222,9x303,5x5,1-cm, courtesy of the artist

Jeff Wall, Boxing, 2011, colour photograph, 222,9×303,5×5,1-cm, courtesy of the artist

Ausstellungsdauer: 01.03.2014 bis 03.08.2014

Website: www.stedelijk.nl/en/

ArtKiss-Besuch: 05.06.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Das Grand Palais in Paris zeigte 2012 diese retrospektive Ausstellung die erste Übersichtspräsentation seit dem Tod des Fotografen Helmut Newton in der französischen Hauptstadt, in der er in den 1960er und 1970er Jahren lebte und so erfolgreich wirkte. Anhand von mehr als 200 Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen aus allen wichtigen Werkgruppen Newtons sorgte sie dort für eine breite Publikums- und Medienresonanz. Jene Ausstellung kehrt nun zu ihrem Ausgangspunkt in die Helmut Newton Stiftung nach Berlin zurück. Vor diesem Hintergrund ist auch der Ausstellungstitel zu verstehen. Manche Aufnahmen waren hier bereits in früheren Ausstellungskontexten zu sehen, andere werden zum ersten Mal gezeigt. Daneben finden sich Porträts zahlreicher Prominenter von Pierre Cardin bis Margaret Thatcher, Modebilder für die Modemagazine aus den 1960er bis 1990er-Jahren sowie Akt- und Produktaufnahmen.

Die Helmut Newton Stiftungfeiert mit dieser Ausstellung ein Jubiläum: Helmut Newton gründete im Herbst 2003 eine Stiftung und schloss einen Kooperationsvertrag mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Nach einer kurzen Umbauphase öffnete das „Museum für Fotografie“ im Sommer 2004 mit einer Doppelausstellung, die Newton selbst nicht mehr erleben konnte, da er kurz zuvor in Los Angeles verstarb.

Auf Einladung von June Newton stellt nun der berühmte amerikanische Porträtfotograf Greg Gorman in „June’s Room“ – parallel zur Newton-Ausstellung – Männerakte aus, eine spannungsvolle Kombination mit den Frauenakten Newtons in den anderen Ausstellungsräumen. Für seine Berliner Präsentation „Men“ wählte Gorman 25 Motive aus, die zwischen 1988 und 2012 überwiegend im Studio in Los Angeles entstanden sind. Die jungen Männer, teilweise in Gruppen, bewegen sich vor Gormans Kamera wie Tänzer auf einer leeren Bühne; es sind zeitlose, sinnliche Aktporträts.

Sehr sehenswert und ein Muss bei einem Besuch des Museums für Fotografie: der Ausstellungsbereich „Helmut Newton’s Private Property„. Im Erdgeschoss des Museums sind unter anderem Newtowns Kameras, seine eigene Foto- und Kunstsammlung, seine Bibliothek und Teile seines Büros in Monte Carlo, das berühmte Newton-Mobil, Plakate seiner Ausstellungen sowie zahlreiche Publikationen der Fotografien von Helmut Newton zu sehen.

Ausstellungsdauer: 01.11.2013 bis: 18.05.2014

Website: www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-fuer-fotografie

ArtKiss-Besuch: 09.03.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Die Ausstellung „Under Pressure“, die vorwiegend aus Neuzugängen innerhalb der letzten fünf Jahre zur Fotosammlung des Salzburger Museums der Moderne zusammengestellt wurde, beschäftigt sich mit der Tatsache, dass Bilder zur Initialzündung werden können, die das kritische Gespräch über die Konflikte der Gegenwart, aber auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte befeuern.

Am Ausgangspunkt (Spuren der Geschichte) der in vier Themenbereiche gegliederten Ausstellung beschäftigt sich u.a. Markus Oberndorfer mit der Wahrnehmung und Rezeption von Geschichte. In seiner Serie Das Verschwinden – der Atlantikwall um Cap Ferret (2008) dokumentiert Oberndorfer das Verschwinden des Atlantikwalls am gleichnamigen Ort. Sand, Wasser und Korrosion setzen dem Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg zu, zudem erfährt es durch die Menschen die heute dort leben, eine Umdeutung. Im Video Autrement on devient fou… (2012) kommt Henri Lavrillat, einer der letzten Überlebenden des französischen Pflichtarbeitsdienstes, zu Wort, der unter dem Druck der Nationalsozialisten am Bau des Atlantikwalls mitarbeiten musste.

Im Themenbereich Geschlossene Städte konfrontieren Gregor Sailer und Markus Krottendorfer die Betrachter mit politisch motivierten architektonischen Spuren in der Landschaft. Oliver Ressler und Heidrun Holzfeind zeigen in ihren Arbeiten politischen Ungehorsam und zivilen Widerstand auf und Lukas Birk führt uns in seiner Installation Kafkanistan die Absurdität von Katastrophentourismus in Krisengebieten wie Afghanistan und Pakistan vor Augen (Tourismus im Krisengebiet).

Ausstellungsdauer: 01.11.2014 bis 30.03.2014

Website: www.museumdermoderne.at

ArtKiss-Besuch: 27.02.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…