Mit ‘Ernst Barlach Haus’ getaggte Beiträge

Die in Berlin lebende Künstlerin Isa Melsheimer beschäftigt sich mit urbanen Lebensräumen und den Bedingungen ihrer Gestaltung und Veränderung. Das Formenvokabular moderner Architektur interessiert sie dabei ebenso wie städtebauliche Szenarien und die Dynamik sozialer Spannungen. Oft auf die konkreten Orte ihrer Ausstellungen reagierend, entwirft Melsheimer komplexe Rauminstallationen, die von überraschenden Maßstabssprüngen, Perspektivwechseln und Materialkontrasten leben.

Isa Melsheimer Luckhardt 3, 2009 Fadenverspannung, 2015 Glas, Silikon, Garn © Isa Melsheimer

Isa Melsheimer – Luckhardt 3, 2009, Fadenverspannung, 2015, Glas, Silikon, Garn © Isa Melsheimer

Neben Plastiken aus Beton, Glas oder Keramik finden sich in ihren modellhaften Versuchsanordnungen auch bestickte Vorhänge oder Fadenverspannungen, Arrangements aus gesammelten Objekten oder Ensembles aus lebenden Pflanzen. Die skulpturalen Arbeiten werden von Gouachen begleitet, in deren Bildwelten sich Zitate aus den Bereichen Kunst, Architektur, Design und Popkultur überlagern und durchdringen.

Welch weitläufige Denk- und Möglichkeitswelten Isa Melsheimer in realen Räumen eröffnen kann, zeigt ihre Ausstellung Kontrastbedürfnis, die schon im Titel den Architekten des Ernst Barlach Hauses, Werner Kallmorgen, zitiert. Kallmorgen sah im „Kontrastbedürfnis“ eine Grundlage für das Gestalten, Betrachten und Erleben von Architektur, und Melsheimer, die sich den Begriff für ihre Ausstellung geborgt hat, empfindet es als eine Grundmotivation ihrer künstlerischen Arbeit.

Ausstellungsdauer: 12.07.2015 bis 04.10.2015

Website: www.ernst-barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 08.09.2015

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

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Der expressionistische Maler Wilhelm Morgner (1891–1917) war ein Ausnahmetalent. Kaum 20-jährig beteiligte sich der rastlose Autodidakt, der heute als Hauptfigur des Westfälischen Expressionismus gilt, an bahnbrechenden Ausstellungen der Neuen Secession in Berlin, des Blauen Reiter in München und des Sonderbunds in Köln. Morgners staunenswerte Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg jäh beendet. Sein in nur vier Jahren entstandenes malerisches Werk spannt in meist großen Formaten außergewöhnliche motivische und stilistische Bögen zwischen Figuration und Abstraktion, Tradition und Avantgarde, Vincent van Gogh und Keith Haring.

v.l.n.r.: Maurer, 1911 Öl auf Leinwand / Der Holzarbeiter, 1911 Öl auf Leinwand / Die Steinbrecher, 1911 Öl auf Leinwand - alle: Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus, Soest

v.l.n.r.: Maurer, 1911, Öl auf Leinwand / Der Holzarbeiter, 1911, Öl auf Leinwand / Die Steinbrecher, 1911, Öl auf Leinwand – alle: Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus, Soest

Morgners farbintensive, kraftvoll stilisierende Malerei ist das Werk eines Jugendlichen, der überwiegend in seiner westfälischen Heimat Soest arbeitete und nur punktuelle Kontakte zu den Kunstszenen Berlins und Münchens hatte. Umso bemerkenswerter, dass er Anregungen von Rembrandt über Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler und die französischen Neoimpressionisten bis zu Robert Delaunay nicht nur begierig aufsog, sondern in eine ganz eigene, wegweisende Bildsprache transformierte: Als einer der ersten – und dabei auf Augenhöhe mit seinen Künstlerfreunden Franz Marc und Wassily Kandinsky, die ihn 1912 zur zweiten Ausstellung des Blauen Reiter einluden – wagte er mit seinen „ornamentalen“ und „astralen Kompositionen“ um 1911/12 den Sprung in die Abstraktion.

Wilhelm Morgner - Ausstellungsansicht

Wilhelm Morgner – Ausstellungsansicht

Die Hamburger Morgner-Schau im Ernst-Barlach-Haus – die erste außerhalb Westfalens seit fast 25 Jahren – zeichnet mit 24 Hauptwerken aus der Sammlung des Wilhelm-Morgner-Hauses in Soest die stürmischen Auf- und Umschwünge nach, in denen Morgner seine Malerei vorantrieb. Neben imposanten Gemälden ist eine Auswahl gezeichneter Selbstbildnissen zu sehen – auch sie zeigen den jungen Künstler als kompromisslosen Sucher. Ergänzend gibt die Ausstellung Einblick in die vielgestaltigen Bildwelten, die Morgner in seinen illustrierten Briefe an den Lehrer und Mentor Georg Tappert entwarf; die Briefe stammen aus der bedeutenden Künstlerpost-Sammlung des Altonaer Museums.

Ausstellungsdauer: 12.10.2014 bis 01.02.2015

Website: www.ernst-barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 19.10.2014

Der deutsche Impressionismus ist vielfach beleuchtet worden, doch ging es dabei meist um Leinwandmalerei und deren französische Vorbilder. Die Ausstellung „Von Liebermann bis Nolde“ widmet sich ausführlich dem Medium Papier und würdigt die wegweisende Rolle, die impressionistische Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle, Druckgrafiken und Fotografien für die Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland spielten.

Von Liebermann bis Nolde

Das Arbeiten auf Papier ermöglichte den Impressionisten, ihrem Interesse an der Darstellung von Licht und Atmosphäre, Bewegung und Flüchtigkeit mit besonderer Spontaneität nachzugehen. So wurde Papier zum reizvollen Experimentierfeld für eine skizzenhafte, abstrahierende Bildsprache, die den Naturalismus des 19. Jahrhunderts ablöste und wichtige künstlerische Tendenzen der Moderne vorbereitete.

Max Liebermann - Badende am Strand, 1910, Pastell

Max Liebermann – Badende am Strand, 1910, Pastell

Die Ausstellung versammelt mehr als 100 selten gezeigte Meisterblätter und einige ergänzende Gemälde aus den 1880er bis 1920er Jahren: Werke von Lovis Corinth, Ernst Eitner, Anna Gerresheim, Thomas Herbst, Arthur Illies, Heinrich Kühn, Max Liebermann, Otto Modersohn, Emil Nolde, Otto Reiniger, Christian Rohlfs, Maria Slavona, Max Slevogt und Lesser Ury.

Ausstellungsdauer: 29.06.2014 bis 21.09.2014

Website: www.ernst-barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 06.07.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

In den 1910er und 20er Jahren zählte der Dresdner Conrad Felixmüller (1897–1977) zu den bekanntesten und erfolgreichsten Nachwuchskünstlern in Deutschland. Selbstbewusst malte sich der hochbegabte Jugendliche zunächst durch Expressionismus und Kubismus hindurch, ehe er schließlich zu einem Protagonisten der Neuen Sachlichkeit wurde.

Die Jahre der Weimarer Republik beschrieb Felixmüller rückblickend als eine Zeit zwischen „Glückseligkeit“ und „Kampfesmut“. Seine Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken spiegeln dieses gesteigerte Lebensgefühl in anrührenden Porträts, einfühlsamen Milieustudien und kraftvollen, von politischem Engagement getragenen Figurenbildern.

Bereits im Alter von 15 Jahren wurde Conrad Felixmüller zum Studium an der Königlichen Kunstakademie in Dresden aufgenommen und erfuhr in der Geburtsstadt der Künstlergruppe Brücke wichtige Impulse. Seine kubistisch geprägten Arbeiten bis 1919, sein spätexpressionistisches Werk der frühen 1920er Jahre und die anschließende sachlich-realistische Phase zeigen – jenseits stilistischer Festlegungen – Felixmüllers außergewöhnliches Talent in allen malerischen und grafischen Techniken.

Die Ausstellung im Hamburger Ernst Barlach Haus versammelt rund 80 Werke aus den Jahren 1918 bis 1933, darunter teils selten gezeigte Bilder und zwei Eichenholzreliefs aus Privatbesitz. Bedeutende Leihgaben stammen unter anderem aus den Kunstsammlungen Chemnitz–Museum Gunzenhauser, dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

Ausstellungsdauer: 13.10.2013 bis 02.02.2014

Website: www.barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 14.12.2013

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!