Mit ‘Andreas Gursky’ getaggte Beiträge

– Ein Beitrag von Patrick Kiss –

Mit der Ausstellung „Here We Are Today. Das Bild der Welt in Foto- & Videokunst“ eröffnet das Bucerius Kunst Forum die neuen Räume am Alten Wall. Im Zentrum der Schau stehen hochaktuelle Fragestellungen unserer globalisierten Gesellschaft. Die knapp 80 gezeigten Fotografien und sieben Videos konzentrieren sich auf die Themen Identität, Heimat, Vergangenheit, Verbrechen und Kapital.

Kaum ein Begriff wird gegenwärtig so instrumentalisiert wie jener der Identität. Die Fragen nach dem Eigenen und dem Fremden, nach unseren Werten und unserer Identität sind allgegenwärtig. Identitätsfragen lassen sich auch als Symptome für gesellschaftliche Umbruchsituationen verstehen, die in den ausgestellten Fotoserien und Videoarbeiten teils sehr persönlich, teils allgemeingültig verhandelt werden.

Der Heimatbegriff im modernen Sinne ist im 19. Jahrhundert entstanden als Gegenentwurf zur Industriegesellschaft, als Sehnsuchtsort. Und auch dieser Sehnsuchtsort wurde und wird nicht selten politisch instrumentalisiert. Der Begriff Heimat wird verbunden mit Geborgenheit, Sicherheit, Zugehörigkeit. Im besten Sinne ist noch Raum für Andere und für Unbekanntes, doch oft genug wird das Fremde als Bedrohung erlebt.

Wie lassen sich Verbrechen gegen Völker oder Volksgruppen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen? Kunst kann dies abstrakt oder an Einzelschicksalen, ganz nah oder aus weiter Ferne. Insbesondere die Foto und Videokunst kann sichtbar machen, was anderswo unsichtbar bleibt. Ein Beispiel in der Ausstellung sind die Arbeiten „Untitled (Reaper Drone)“ von Trevor Paglen. Beim genauen Betrachten der Fotos offenbart sich, dass die scheinbar schönen Himmelslandschaften von kleinen Punkten durchzogen sind – militärische Drohnen, mit denen aus großer Entfernung Menschen getötet werden.

Kapital ist in der bildenden Kunst schon sehr lange Thema und Motiv. Doch längst ist die Kunst selbst ein eigener Faktor auf dem Kapitalmarkt geworden. Dennoch gibt es zahlreiche zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen, die sich kritisch mit dem Thema Kapital auseinandersetzen. So zeigt etwa die Arbeit „Permanent Error“ von Pieter Hugo das Gefälle zwischen Privilegierten und Abgehängten in unserer globalisierten Welt. Seine Fotos sind entstanden in Agbogbloshie – einer Müllhalde für auch legal eingeführten Elektroschrott in der ghanaischen Hauptstadt Accra und einem der am meisten kontaminierten Orte der Welt. Deutlich wird, wie die Konsumgesellschaft ihre Opfer fordert, oft auf der anderen Seite der Erde.

Mit diesen fünf Themen – Identität, Heimat, Vergangenheit, Verbrechen und Kapital – werden die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung immer wieder konfrontiert. Dabei sind die einzelnen Themenbereiche alle eng miteinander verwoben und inhaltlich nicht immer scharf voneinander zu trennen.

Jede der gezeigten Arbeiten ist das Mosaikteil einer Antwort auf die Frage: Wo stehen wir heute?

Ausstellungsdauer: 07.06.2019 bis 29.09.2019

Website: www.buceriuskunstforum.de

ArtKiss-Besuch: 22.06.2019

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Das Kunstmuseum Wolfsburg sammelt seit 1994 internationale zeitgenössische Kunst. Mit Werken rund um die Minimal Art, Conceptual Art, Arte Povera, Body Art und Medienkunst wurde die Basis gelegt. Nun machte sich das Museum auf die Spurensuche innerhalb der eigenen Sammlung und zeigt mit der Ausstellung „Spuren der Moderne“ auf rund 1.000 Quadratmetern 34 Werke von 30 Künstlern aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart umfasst.

„What looks good today may not look good tomorrow“ lauten Titel und Inhalt einer Arbeit von Michel Majerus von 1999. Damit bringt er auf den Punkt, was Charles Baudelaire 1863 beschrieb, als er den Begriff der Modernität als Ausdruck von Zeitgeist prägte: Vergänglich und flüchtig sei diese. Als Zeitbegriff ist die Moderne schwer zu erfassen – unbestreitbar sind jedoch einige ihrer bestimmenden Inhalte und Ästhetiken.

In einem thematisch gegliederten Parcours, der die Felder Porträt, darstellende Malerei, Abstraktion, Architektur und Design, Wissenschaft und Technik, Aufklärung und Spiritualität sowie Global Art umfasst, wird hier die Frage nach dem aktuellen Einfluss der Moderne in den Raum gestellt. Wie wird die Moderne in Werken von Künstlern wie Elizabeth Peyton, Thomas Schütte, Cindy Sherman, Neo Rauch, Tobias Rehberger, Andreas Gursky, Olafur Eliasson, Gerhard Merz oder James Turrell heute rezipiert?


Ausstellungsdauer: 15.03.2014 bis 26.10.2014

Website: www.kunstmuseum-wolfsburg.de

ArtKiss-Besuch: 10.10.2014

Nach den Ausstellungen „Moderne Zeiten“ (1900-1945) und  „Der geteilte Himmel“ (1945-1968) folgte der Blick auf die Jahre zwischen 1968 und 2000. Als Leitmotiv dient der Romantitel von Michel HouellebecqAusweitung der Kampfzone„. Der französische Autor beschrieb mit diesem Roman aus den 1990er Jahren das Lebensgefühl einer kapitalistisch orientierten Generation, die ihr gesamtes Dasein als Kampfzone an wechselnden Fronten begreift.

In der bildenden Kunst, bis 1989 in Deutschland noch geteilt, spiegeln sich in vielerlei Hinsicht die zum Teil heftigen Kämpfe der Gesellschaft wider. Zugleich bildeten sich in der Kunst dieser Zeit eigene Konfrontationen aus. Die Sammlungspräsentation lenkt mit einer Auswahl hochkarätiger Kunstwerke den Blick auf diese verschiedenen „Kampfzonen“: auf die großen politischen Themen und Bilder ebenso wie auf die Fragen nach den Grenzen der Kunst, die durch Fotografie, Video, Performance, Objekt- und Konzeptkunst in den Jahren von 1968 bis 2000 eine beständige „Ausweitung“ erfuhren. Zu sehen sind unter anderem zentrale Werke von Barnett Newman, Joseph Beuys, Andy Warhol, Katharina Sieverding, Werner Tübke, Rebecca Horn, Andreas Gursky und Wolfgang Tillmans.

Ausstellungsdauer: 08.11.2013 bis 31.12.2014

Website: www.smb.museum

ArtKiss-Besuch: 09.03.2014

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!