Archiv für die Kategorie ‘Museum’

Der 1948 in Wien als Sohn eines Beamten geborene Gottfried Helnwein zählt zu den weltweit bekanntesten, aber auch umstrittensten österreichischen Künstlern der Gegenwart. Seine Ausstellungen erzielen Besucherrekorde. Helnwein gehört mittlerweile zu den international populärsten Malern der Gegenwart.

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Helnwein-Cover für das Album „Blackout“ von den Scorpions (1982)

In seinen Arbeiten setzt sich Gottfried Helnwein überwiegend mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinander. Diese betreffen Körper und Psyche in gleichem Maße. Seine künstlerischen Interventionen sind von einer schmerzhaften Unmittelbarkeit, deren emotionale Energie weit über die großen Bildformate hinaus den Raum und den Betrachter ergreift.

Mit dem Bild vom „malträtierten Kind“ greift er frontal die uns lieb gewordenen kindertümelnden Bildvorstellungen an und spricht in diesem Zusammenhang von der durch Krieg, Verletzung, Misshandlung und Vernachlässigung weltweit zunehmenden Traumatisierung von Kindern.

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Helnweins Provokationen sind enorm, weil sie so still, so subversiv und klammheimlich daherkommen. Sie packen uns von hinten, da wo die antrainierten und gut funktionierenden Verdrängungsmechanismen sitzen. Seine Kinderbilder können zum Horrortrip für den Betrachter werden. Vielfach sind die sanften Kindergesichter durch Verletzungen furchtbar entstellt. Blut, Narben, Wundmale, Bandagen. Der Anblick ist manchmal kaum auszuhalten. Aber was bedeutet das schon gegen die täglich von vielen Millionen von Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?

Gottfried Helnwein denunziert nicht die Kinder – das häufigste Missverständnis, mit dem man sich gegen seine Kunst wehrt – sondern unsere Neigung, vor dem Leiden der Anderen die Augen zu verschließen. Helnwein hat das Kinderleid aus dem Persönlichen ins Universelle gehoben und entlarvt damit unsere Blindheit, unsere Abgestumpftheit, unsere Sucht nach heiler Welt und unsere Angst vor der Realität als zutiefst unmoralisch.


Ausstellungsdauer: 19.11.2017 bis 08.04.2018

Website: www.ernst-barlach.de

ArtKiss-Besuch: 18.02.2018

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

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Rayyane Tabet - Bruchstücke / Fragments (Ausstellungsansicht)

Rayyane Tabet (*1983 in Achkout, lebt und arbeitet in Beirut) untersucht in seinen
vornehmlich skulpturalen Arbeiten die Verschränkungen kleiner Geschichten und
großer Ereignisse durch Form und Material. Dabei vermengt er die offizielle mit
persönlicher Geschichte, um den Blick auf kaum zur Kenntnis genommene
Erzählungen zu lenken.

Die Ausstellung „Bruchstücke / Fragments“ führt erstmals alle Arbeiten eines Recherche- und Ausstellungsprojekts zusammen, das sich über Stationen in Marrakesch, Paris, Berlin, Rotterdam und Beirut aufgebaut hat und 2018 seinen vorläufigen Abschluss in der Abteilung für antike Kunst des Nahen Ostens des Metropolitan Museum of Art, New York, finden wird.

Rayyane Tabet - Bruchstücke / Fragments (Ausstellungsansicht)

Ausstellungsdauer: 25.11.2017 bis 18.2.2018

Website: www.kunstverein.de

ArtKiss-Besuch: 20.01.2018

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Die Geburt des Kunstmarktes

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert die erste umfassende Themenausstellung zur Geburt des Kunstmarktes im Goldenen Zeitalter der Niederlande. Auf den Spuren von Künstlern wie Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und vielen anderen erforscht die Ausstellung, wie gesellschaftliche Veränderungen in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts einen neuen Kunstmarkt und eine ganz eigene Kunst hervorgebracht haben. Sie illustriert, wie sich Künstler, Kunsthändler und ihre Werkstätten auf die neue Marktsituation einstellten und warum die Preise auf dem Kunstmarkt von wenigen Gulden bis hin zu Höchstsummen reichten.


Ausstellungsdauer: 23.09.2017 bis 07.01.2018

Website: www.buceriuskunstforum.de

ArtKiss-Besuch: 26.10.2017

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Der Kunstverein in Hamburg zeigt zu seinem 200. Jubiläum eine Einzelausstellung von Wolfgang Tillmans mit einer neuen Arbeit, die – konsequent aus den vergangenen 30 Jahren seines Schaffens entwickelt – die verschiedenen Aspekte seines Werks und seines Denkens in ein räumliches Ganzes überführt, das erstmalig nicht hauptsächlich von der Fotografie getragen ist.

WOLFGANG TILLMANS, There were 30 years between 1943 and 1973. 30 years from 1973 was the year 2003, 2004 Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne, Maureen Paley, London, David Zwirner, New York

WOLFGANG TILLMANS, There were 30 years between 1943 and 1973. 30 years from 1973 was the year 2003, 2004 Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne, Maureen Paley, London, David Zwirner, New York

Für den Kunstverein in Hamburg realisiert Tillmans eine raumfüllende Installation, die vom Ort ausgehend den speziellen Charakter der benachbarten alten Markthalle wie auch deren außenliegenden urbanen Kontext zum Ausgangspunkt nimmt, um sein zunehmend gesellschaftspolitisches Engagement neu zu artikulieren. Raum und skulpturales Denken sind, wie gerade in den präzise inszenierten Ausstellungen der letzten Jahre deutlich wird, ein zentrales Element im Werk von Wolfgang Tillmans und erfahren hier eine neue Dringlichkeit.

Speziell für den Kunstverein hat er eine Vier-Kanal-Soundarbeit geschaffen, die seiner Beobachtung zu Grunde liegt, dass „wenn ich im großen Saal stehe, ich immer eine sehr starke akustische Wahrnehmung der Außenwelt, Straße und Schiene, habe, gerade weil ich diese durch die hohen Fensteransätze nicht sehen, sondern nur hören kann“. Der Anspruch seiner Fotografie wird auf die Medien Sound und Video übertragen, welche kombiniert werden mit den Tischen Truth Study Centre (Time / Mirrored), die die Idee des Ausstellungstitels, der Spiegelung von historischen Zeitabständen, in einzelnen auf Papier gedruckten Sätzen fortsetzen.

WOLFGANG TILLMANS – Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003., Ausstellungsansicht /exhibition view, Kunstverein in Hamburg, 23.9 – 12.11 Copyright: Kunstverein in Hamburg

WOLFGANG TILLMANS – Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003., Ausstellungsansicht /exhibition view, Kunstverein in Hamburg, 23.9 – 12.11 Copyright: Kunstverein in Hamburg

Die Präsenz einer kleineren Anzahl großformatiger, bisher ungezeigter Fotografien signalisiert, dass der Künstler, sich nicht von der Fotografie abwendet, sondern die oben beschriebenen Denkprozesse auch in der Befragung seines angestammten Mediums weiterverfolgt. Die einzelnen Komponenten sind nicht neu, aber die genau choreografierte, räumliche Zusammenstellung weist in Richtung einer anderen Fokussierung, in der die Vergangenheit wie das Hier und Jetzt zum Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen, einer politischen Debatte werden.

Ausstellungsdauer: 23.09.2017 bis 12.11.2017

Website: www.kunstverein.de

ArtKiss-Besuch: 18.10.2017

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Georg Baselitz gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Gegenwart, seine Werke erzielen Rekordpreise auf dem Kunstmarkt: Museen und Galerien auf der ganzen Welt reißen sich um Georg Baselitz – und 2017 stellt er in Wedel aus. Seine auf dem Kopf stehenden Bilder revolutionierten einst den Kunstbegriff und setzen mit ihrer radikalen Bildsprache bis heute wichtige Impulse in der bildenden Kunst.

Georg Baselitz - Der Auftritt, Im Wald und auf der Heide, Linolschnitt, 2005
Georg Baselitz – Der Auftritt, Im Wald und auf der Heide, Linolschnitt, 2005

In den 1960er Jahren arbeitet Georg Baselitz vor allem mit dem Holzschnitt, in den 1970er Jahren entstehen großformatige Linolschnitte. Ab 2005 entstehen die „Remix-Arbeiten“: Georg Baselitz formuliert noch einmal einzelne seiner klassischen Werke neu, nicht als Kopie sondern als gleiches Motiv vor einem veränderten Zeithintergrund.

Im Spiegel seiner beeindruckenden Malerei bildet die Druckgrafik ein eigenständiges und starkes Medium. Mit rund 100 Radierungen, Holz- und Linolschnitten aus verschiedenen Serien ermöglicht die Ausstellung „Georg Baselitz – Gebrochene Helden“ einen intensiven Einblick in sein grafisches Schaffen aus zwei Jahrzehnten. Gezeigt werden auch Werke, die Ausmaße von mehr als zwei Meter haben und bisher nur selten in Deutschland präsentiert wurden.

Georg Baselitz - Sing Sang BDM II, Strichätzung und Aquatinta, 2012
Georg Baselitz – Sing Sang BDM II, Strichätzung und Aquatinta, 2012

In der Ausstellung blättert sich ein ganzes Künstlerleben auf. Die Radierungen, Linol- und Holzschnitte von 1995 bis 2015 beziehen sich auf Georg Baselitz‘ Biografie im Spiegel der Geschichte vom Zweiten Weltkrieg über den Aufbruch der Nachkriegszeit und das geteilte Deutschland bis heute.

Seine gebrochenen Helden sind Männer, die nicht wissen, wohin sie gehören, die Orientierung, aber auch Sinn und Ordnung verloren haben, die nichts mehr zu tun, die nichts mehr zu sagen haben. Getragen von den Phantasien einer neuen Welt waren sie einst glorreich und strahlend ausgezogen, um zu siegen und ihre Ideologien in die Welt zu tragen. Doch nun stehen sie vor den Trümmern ihres Machtstrebens – erdrückt von einer gewaltigen Lebenslüge.

Georg Baselitz - Avignon dada strip, Strichätzung und Aquatinta, 2014
Georg Baselitz – Avignon dada strip, Strichätzung und Aquatinta, 2014

Und genau das kommt in den ausgewählten Werken, besonders aber in den „Remix-Arbeiten“, stärker verdichtet und fast noch pointierter zum Ausdruck als in den malerischen Vorbildern der 1960er Jahre.

 

Ausstellungsdauer: 26.03.2017 bis 08.10.2017

Website: www.ernst-barlach.de

ArtKiss-Besuch: 02.09.2017

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

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Ausstellungsdauer: 10.06.2017 bis 17.09.2017

Website: www.documenta14.de

ArtKiss-Besuch: 12.08.2017

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Ausstellungsdauer: 19.03.2017 bis 13.08.2017

Website: kunst.celle.de

ArtKiss-Besuch: 06.08.2017

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.