Archiv für Mai, 2020

Matheus Rocha Pitta - The Curfew Sirens (Ausstellungsansicht)

Ein zentraler Aspekt in Matheus Rocha Pittas Arbeit ist die Untersuchung von Gesten. Als Artikulation von Körper und Sprache haben diese weitreichende ethische und politische Implikationen. Seit vielen Jahren pflegt Rocha Pitta ein umfangreiches Archiv mit Zeitungsausschnitten, die nach gestischen Ausdrücken und ihrem Herkunftsort geordnet sind. Die Abbildungen verwendet er in gegossenen Betonplatten verschiedener Größen und Formen, auf denen er das Material zu mehrschichtigen Kompositionen anordnet. Mit seinen „versteinerten“ Collagen konstruiert Rocha Pitta Geschichten, Erinnerungen und Szenarien, die verschiedene
Formen von Autoritarismus, Fehlinformation, Ausbeutung und Ungerechtigkeit reflektieren und sich ihnen widersetzen.

Für seine Ausstellung The Curfew Sirens in Hamburg hat Rocha Pitta ein Ensemble von acht neuen Skulpturen namens Sirenen entwickelt.

Ausstellungsdauer: 15.02.2020 bis 31.05.2020

Website: www.kunstverein.de

ArtKiss-Besuch: 20.05.2020

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Der Kunstverein in Hamburg richtet die Ausstellung des ars viva-Preises nach 2003 in diesem Jahr erneut aus. Aufgrund der Corona-Schließungen wurde die Ausstellung um zwei Wochen bis zum 31. Mai 2020 verlängert.

ars viva 2020, Cemile Sahin, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott
ars viva 2020, Cemile Sahin, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott

Seit 1953 vergibt der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. den ars viva-Preis an herausragende junge, in Deutschland lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten eine eigenständige Formensprache und ein Bewusstsein für gegenwärtige Fragestellungen erkennen lassen.

ars viva 2020, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott
ars viva 2020, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott

Die Jury kürte die Preisträger aus 49 vorgeschlagenen Künstlern unter 35 Jahren. Die aktuellen Preisträger sind Karimah Ashadu, Thibaut Henz und Cemile Sahin. Sie haben eigens für den großen Ausstellungsraum im Kunstverein in Hamburg neue Arbeiten und Installationen entwickelt, die wir gemeinsam mit älteren Arbeiten zeigen, um einen größeren Einblick in das Schaffen der einzelnen Künstler zu erlauben.

ars viva 2020, Thibaut Henz (Bild Vordergrund), Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott
ars viva 2020, Thibaut Henz (Bild Vordergrund), Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott

Digitale Führung durch die „ars viva 2020“ beim Kunstverein Hamburg:

Ausstellungsdauer: 15.02.2020 bis 31.05.2020

Website: www.kunstverein.de

ArtKiss-Besuch: 20.05.2020

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Helmut Newton gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Das Ernst Barlach Museum Wedel zeigt zu seinem 100. Geburtstag eine große Überblicksausstellung.

Iman, American Vogue, Hotel Negresco, Nice 1989 © Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Iman, American Vogue, Hotel Negresco, Nice 1989
© Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Kein Fotograf seiner Zeit hat aufwendigere und provozierendere Bildinszenierungen geschaffen als Helmut Newton. Seine Mode- und Aktfotografie wirkt auch heute noch so aufregend und exzessiv, weil sie unmittelbar auf die individuellen Grenzen von Stilgefühl, Geschmack und Moral des Betrachters zielt. Die Körper seiner Modelle sind weniger in Kleider als in eine subtile sexuelle Spannung gehüllt, die zeitübergreifend alles Modische hinter sich lässt. Newtons Aufnahmen präsentieren die weiblichen Aktmodelle stark und selbstbewusst, obwohl seine Bildsprache unterschwellig mit komplexen Narrativen von Dekadenz, Sex und Macht durchzogen ist.

Fashion Yves Saint Laurent, French Vogue, Paris 1979 © Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Fashion Yves Saint Laurent, French Vogue, Paris 1979
© Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Als Helmut Neustädter wurde Newton am 31. Oktober 1920 in Berlin in einer jüdischen Fabrikantenfamilie geboren und starb am 23. Januar 2004 in Los Angeles. Bis 1936 besuchte er das Gymnasium in Berlin, welches er aber abbrach, um sich ganz dem Fotografieren zu widmen. Er begann im selben Jahr eine Lehre bei der jüdischen Fotografin Yva (Else Neuländer-Simon), die nach Berufsverbot 1938 ihr Atelier schließen musste und später von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Kurz nach seinem 18. Geburtstag, am 5. Dezember 1938, flüchtete Newton aus Berlin in Richtung Asien. 1940 kommt er über Singapur nach Australien und wird 1946 australischer Staatsbürger. Ab 1956 wurde die australische Ausgabe der Vogue sein Hauptauftraggeber und machte ihn international bekannt. In den 1970er Jahren wurde Newton zu einem der begehrtesten und teuersten Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotografen der Welt. Er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

Im April 2000 erregte Newtons SUMO-Bildband großes Aufsehen, als das Exemplar Nummer eins den Rekord für das größte, schwerste und teuerste Buch des 20. Jahrhunderts brach. SUMO ist kein normales Buch. Es ist ‚The Best Of‘ Newtons Lebenswerk, ein Kompendium, das jeden Aspekt seiner herausragenden Karriere abdeckt. Von seiner Frau, der Künstlerin June Newton und dem Verleger Benedikt Taschen gestaltet, ist SUMO ein Bekenntnis zu der unvergleichlichen fotografischen Größe von Helmut Newton.

Elizabeth Taylor, Vanity Fair, Los Angeles 1989 © Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Elizabeth Taylor, Vanity Fair, Los Angeles 1989
© Helmut Newton Estate, courtesy Helmut Newton Foundation

Wir sehen Fotografien der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt in selbstbewusstem Gestus, eingewoben in die Interieurs mondäner Villen oder hineingestellt in surreale Landschaften. Aber wir sehen auch herausragende Porträtfotografien, etwa der von Helmut Kohl, David Hockney oder dem schlafenden Andy Warhol, mit denen Helmut Newton Meisterwerke auch dieser Gattung geschaffen hat.

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht „100 Jahre Helmut Newton“

Die Ausstellung „Helmut Newton“ zeigt nahezu sämtliche Fotoseiten des SUMO-Buches in Originalgröße, vom Boden bis zur Decke, Raum für Raum, Seite für Seite, in kluger Auswahl, Newtons Lebenswerk als inszenierter Museumsrundgang.

Ausstellungsdauer: 10.05.2020 bis 29.11.2020

Website: www.ernst-barlach.de

ArtKiss-Besuch: 18.05.2020

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!