Archiv für Januar, 2016

Michael Müllers erste institutionelle Einzelausstellung „Wer spricht?“ bringt Werke der vergangenen Jahre mit eigens für die Ausstellung entwickelten Neuproduktionen zusammen, die sich auf unterschiedliche Weise der Frage nach künstlerischer Autorschaft stellen.

Michael Müller - Für all jene, die der Form und nicht dem Inhalt vertrauen, 2015, Courtesy Michael Müller

Michael Müller – Für all jene, die der Form und nicht dem Inhalt vertrauen (Ausschnitt), 2015, Courtesy Michael Müller

„Wer spricht?“ bedeutet aus Müllers Perspektive auch: „Was wird gesagt?“ und „Warum wird gesprochen?“; aber auch „Wer hört zu?“ Die gezeigten Arbeiten gehen immer wieder neu von der Frage aus, inwieweit ein Künstler in seinen Werken selbst sichtbar wird. Jedes einzelne Werk verortet sich im Spannungsverhältnis von Anwendung oder Umformung historischer wie gegenwärtiger künstlerischer Codes und den persönlichen Obsessionen des Künstlers.

Ausstellungsdauer: 29.11.2015 bis 24.01.2016

Website: www.kw-berlin.de

ArtKiss-Besuch: 30.12.2015

ArtKiss-Wertung:
1 Stern: Gewollt aber nicht gekonnt.

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Die Ausstellung „Papagaio“ versammelt über zwanzig 16-mm-Kurzfilme und zwei Camerae obscurae der Künstler João Maria Gusmão und Pedro Paiva aus den vergangenen zehn Jahren. Die Arbeiten werden in einer ortsspezifischen Installation präsentiert und werden ergänzt durch den titelgebenden Film „Papagaio“.

 

Seit 2001 stellen Gusmão + Paiva immer wieder neue Versuchsanordnungen her, die sich zwischen der sichtbaren Welt und dem, was sich entzieht, bewegen und die Grenzen zwischen Konzepten des Menschlichen und Nichtmenschlichen hinterfragen. Indem die Künstler solche Paradoxien ins filmische Medium übersetzen, entfremden sie die BesucherInnen von ihrem alltäglichen Blick und erzeugen eine „Zeitmaschine“ auf Probe: Die Filme verlangsamen die Realität, bis sie die verschiedenen Qualitäten innerhalb des Sichtbaren enthüllen.

Ausstellungsdauer: 29.11.2015 bis 24.01.2016

Website: www.kw-berlin.de

ArtKiss-Besuch: 30.12.2015

ArtKiss-Wertung:
0 Sterne: Zeitverschwendung.

Berlin12-15 (1)In der retrospektiv angelegten Ausstellung „Cindy Sherman – Works from the Olbricht Collection“ werden 65 Fotografien der Künstlerin im me Collectors Room zu sehen sein. Mit Arbeiten aus nahezu allen Schaffensperioden gewährt die Sammlung einen beachtlichen Überblick über das Gesamtwerk der Fotokünstlerin.

Ein unschuldiger Blick vom Spültisch im Schwarz-Weiß der 50er Jahre, eine goldblonde Maria lactans mit leeren Augen und Plastikbrust oder eine alternde Upper Class-Beauty mit zu viel Schmuck und viel zu viel Make-Up, Cindy Sherman (*1954 , USA) ist eine Meisterin der Maskerade. Sie agiert als Darstellerin und Fotografin, Subjekt und Objekt in Personalunion. Doch zeigen ihre Selbstportraits keine authentischen Persönlichkeiten, sondern paraphrasieren soziale und kulturelle Stereotype, um sie durch verschiedene Möglichkeiten der Darstellung aus Kino, klassischer Malerei oder Werbung zu dekonstruieren.

Ausstellungsdauer: 16.09.2015 bis 10.04.2016

Website: www.me-berlin.com

ArtKiss-Besuch: 30.12.2015

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Berlin12-15 (4)

Erstmals präsentiert die Helmut Newton Stiftung die Einzel- und Doppelseiten der in „Pages from the Glossies“ versammelten Veröffentlichungen als vergrößerte Ausstellungsprints, inklusive der individuellen Typografie der unterschiedlichen Magazine, Seitenzahlen, Kommentare und Bildunterschriften. Somit bleibt die Berliner Präsentation der mehr als 230 Zeitschriftenseiten mit fast 500 Einzelaufnahmen so authentisch wie möglich.

Schreitet man als Besucher an Newtons chronologisch aufgereihten, faksimilierten Modeaufnahmen in den Ausstellungsräumen entlang, erkennt man nicht nur die sich verändernde Bildsprache des Fotografen, sondern vor allem die sich verändernde Stellung der Frau in der westlichen Gesellschaft seit den 1950er-Jahren. Helmut Newton war mit seinen teilweise radikalen, aber stets sehr eleganten Frauenbildern dem Zeitgeist häufig voraus – und hat diesen gleichzeitig über Jahrzehnte mitgeprägt.

Der großen Übersichtsausstellung zu Newton wird auch diesmal das Werk eines anderen Fotografen zur Seite gestellt; Helmut Newton selbst hatte sich diese Ausstellungspraxis bei der Gründung seiner Stiftung gewünscht. Der amerikanische Fotograf Greg Gorman zeigt in der Ausstellung „Color Works“ 25 Farbporträts prominenter, zumeist amerikanischer Musiker, Künstler und Schauspieler zu sehen, darunter David Bowie und Grace Jones, Andy Warhol und Julianne Moore. Den langsam verblassenden Hollywoodmythos beispielsweise schreibt Gorman mit seinen Porträts weiter und hinterfragt ihn gleichzeitig. Sehr individuell und formal unterschiedlich entstanden die Aufnahmen meist im Auftrag von Magazinen; so verbindet sich der eigenständige fotografische Stil Gormans mit den Wünschen der Auftraggeber und den Bildideen der Porträtierten innerhalb der Ausstellung zu einer ungewöhnlichen Melange.

Für ArtKiss ist vor allem Gormans „Color Works“ Ausstellung einen Besuch wert.

Ausstellungsdauer: 04.12.2015 bis 22.05.2016

Website: www.helmut-newton.de

ArtKiss-Besuch: 30.12.2015

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

Berlin12-15 (3)

Anton Corbijn hat in den letzten vier Jahrzehnten mit seinen Porträts das öffentliche Image und die visuelle Identität von oft sehr bekannten Persönlichkeiten geprägt.

Seine Bilder sind keine eingefrorenen, isolierten Momente von Realität, sondern entsprechen Filmstills. Mit der bewussten formalen und auch inhaltlichen Verweigerung des gewohnten Glamours zelebriert er die Anti-Pose und den Anti-Star. Behutsam lotet Corbijn die Ambivalenz zwischen Image und Authenzität, zwischen Inszenierung und Realität, zwischen Akteur und Betrachter aus.

Für Anton Corbijn ist das Analoge im Prozess des Fotografieren elementar. Das Shooting ist für den Autodidakten jedes Mal ein Abenteuer – rausgehen, im vorhandenen Licht der jeweiligen Tageszeit Bilder machen und erst beim Entwickeln einige Tage später erkennen, was auf dem Film gebannt ist. Mit dieser Methode vermeidet der Fotograf den Versuch, ein Bild immer noch perfekter zu machen – eine der Versuchungen der digitalen Fotografie. Heutzutage wirkt diese analoge Arbeitsweise fast schon anachronistisch.

Zum 60. Geburtstag von Anton Corbijn feiert C/O Berlin den weltweit renommierten Fotografen und Regisseur in einer großen Retrospektive mit rund 600 Fotografien, Filmen und weiteren Exponaten.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: „Hollands Deep“ bietet einen Überblick über sein gesamtes Werk der vergangenen 40 Jahre – von seinen frühen schwarz-weiß Fotografien bis hin zu persönlichen Projekten und konzeptuellen Serien.

„1-2-3-4“ präsentiert seine Arbeiten aus der Musikwelt – darunter noch nie veröffentlichte Aufnahmen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Bilder von Bands und Musikern, die Anton Corbijn über eine längere Zeit begleitet hat. Seine Arbeit ist Teil der visuellen Historie von Künstlern wie Rolling Stones, U2, Nirvana, Nick Cave, Tom Waits, REM, Metallica, Johnny Rotten, Depeche Mode, Herbert Grönemeyer und anderen.

Ein Muss für jeden Fotografie- und Musik-Fan!

Ausstellungsdauer: 07.11.2015 bis 31.01.2016

Website: www.co-berlin.org

ArtKiss-Besuch: 30.12.2015

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

Jackson Pollock - Mural, 1943, Öl und Kasein auf Leinwand, 242,9 x 603,9 cm. Geschenk von Peggy Guggenheim, 1959 The University of Iowa Museum of Art, Iowa City, reproduziert mit der Genehmigung durch The University of Iowa Museum of Art. © Pollock-Krasner Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Jackson Pollock – Mural, 1943, Öl und Kasein auf Leinwand, 242,9 x 603,9 cm. Geschenk von Peggy Guggenheim, 1959. The University of Iowa Museum of Art, Iowa City, reproduziert mit der Genehmigung durch The University of Iowa Museum of Art. © Pollock-Krasner Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Mit Jackson Pollocks Werk „Mural“ (1943) ist eines der historisch bedeutendsten Gemälde der Moderne nach seiner umfassenden Reinigung am Getty Conservation Center derzeit in Berlin zu sehen. Die Ausstellung „Jackson Pollock’s ‚Mural‘: Energy Made Visible” zeigt das einflussreiche Meisterwerk gemeinsam mit mehr als vierzig Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Lee Krasner (Pollocks Ehefrau), Roberto Matta, Robert Motherwell, David Smith und Andy Warhol.

Installationsansicht JACKSON POLLOCK’S MURAL: Energy made visible, 25.11.2015 – 10.04.2016, Deutsche Bank KunstHalle, Photo: Mathias Schormann, © Deutsche Bank KunstHalle

Installationsansicht JACKSON POLLOCK’S MURAL: Energy made visible, 25.11.2015 – 10.04.2016, Deutsche Bank KunstHalle, Photo: Mathias Schormann, © Deutsche Bank KunstHalle

Die Ausstellung wurde vom der University of Iowa Museum of Art (UIMA) organisiert. Dessen Direktor  Sean O’Harrow hält Pollocks Schaffen während des zweiten Weltkriegs für das Fundament für die weitere Entwicklung des Abstrakten Expressionismus. Das äußerst dynamische Werk ist mit 605 x 247 cm das größte Gemälde, das Jackson Pollock je schuf. Es übt bis in die Gegenwart hinein einen immensen Einfluss auf die amerikanische Kunst aus und greift Pollocks ‚gegossene‘ Abstraktionen vor, die er vier Jahre später entwickeln sollte.

In Summe verkörpert „Mural“ all das, was Pollock später als seine Vision beschreibt – Energie und Bewegung sichtbar zu machen.

Ausstellungsdauer: 25.11.2015 bis 10.04.2016

Website: www.deutsche-bank-kunsthalle.de

ArtKiss-Besuch: 29.12.2015

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!