Archiv für Januar, 2015

Erró wurde 1932 in Island als Guðmundur Guðmundsson geboren und lebt seit 1958 in Paris. Bis 1967 trug er den Künstlernamen Ferró, bis er diesen nach einem siebenjährigen Rechtsstreit mit dem französischen Maler Gabriel Ferraud („Ferró“ und „Ferraud“ klingen in der französischen Aussprache exakt gleich) in Erró.

Erró - Science-Fiction Scape, 1992, 286 x 1320 cm, Glycerophtalische Farbe auf Leinwand, Collection Listasafn Reykjavfkur

Erró – Science-Fiction Scape, 1992, 286 x 1320 cm, Glycerophtalische Farbe auf Leinwand, Collection Listasafn Reykjavfkur

Im Vorgriff auf den schier unendlichen Informations- und Bilderfluss, der im Internet zu finden ist, galt Errós Interesse von Anfang an in dieser Fülle von Bildern. Er erfand neue Erzählformen in der Kunst dafür: Mit Collagen und Gemälden entwarf er eine visuelle und kritische Art, die gegen alle bisherigen Formen des Wissens, reich an Farbe und Witz, Exzess und Mehrdeutigkeit, allen zugänglich ist.

Das macLYON zeigt auf einer 3000 m² großen Ausstellungsfläche auf drei Etagen eine große und tolle Retrospektive. Mit mehr als 500 Werken, betehend aus Collagen, Performances, Filme, Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen aus öffentlichen und privaten Sammlungen aus ganz Europa, wird die Arbeit von Erró, dem ersten Geschichtenerzähler in der Kunstgeschichte, gewürdigt.

Virtueller Ausstellungsbesuch

Ausstellungsdauer: 03.10.2014 bis 22.02.2015

Website: www.mac-lyon.com

ArtKiss-Besuch: 08.01.2015

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

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Uwe Hand - Mr. B., 2013, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 40 cm

Uwe Hand – Mr. B., 2013, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 40 cm

Uwe Hand gehört seit 40 Jahren zu den Wegbereitern und stilprägenden Protagonisten der gegenständlichen Malerei in Deutschland.

Zum ersten Mal seit sechs Jahren zeigt Reinhardt & Partner derzeit in der Hamburger Galerie greskewitz | kleinitz neue Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers in der Gastausstellung „Allerhand á la Hand“.

Ausstellungsdauer: 16.01.2015 bis 05.02.2015

Website: www.greskewitz-kleinitz-galerie.com

ArtKiss-Besuch: 15.01.2015

Ivan Lardschneider in seinem Atelier © Ivan Lardschneider

Ivan Lardschneider in seinem Atelier
© Ivan Lardschneider

Ivan Lardschneider

geboren 1976 in Bozen
Website: www.ivanart.it
E-mail: info@ivanart.it
Galerien: Per Capita (Modena) , iSculpture (San Gimignano), Ca‘ D’oro (Rom/Miami/New York), Reinhard & Partner (Hamburg), Just Art (Rhode Islands), Lena & Roselli (Budapest)


Ivan, was ist für Dich Kunst?

Kreativ sein, und etwas zu schaffen, das noch niemand gemacht hat.

Ivan Lardschneider - Golden Goal (Ausstellungsansicht, Detail)

Ivan Lardschneider – Golden Goal
(Ausstellungsansicht, Detail)

Wie erlebst Du Deine Sammler?

Manche sind ganz baff von meinen Werken – vor allem wenn Sie hören, was ich mir bei der Erstellung des Werks gedacht habe.

Was ist für Dich eine gute Galerie?

Eine gute Galerie muss den Künstler fördern. Wichtig ist, dass der Künstler die Möglichkeit hat, an einer oder mehreren Ausstellungen im Jahr oder auch an internationalen Kunstmessen mitzuwirken. Eine gute Galerie sollte nicht nur die Werke verkaufen, sondern den Künstler in verschiedenen Medien promoten.

Deine Meinung zum Thema „Kunst und Kunstmarkt“?

Das ist sehr schwierig. Es ist schwer zu verstehen, wieso manche Werke verkauft werden und andere nicht. Es hängt viel vom Kurator und vom Galeristen ab.

Ist Kunst Leidenschaft und/oder Investment?

Ich würde sagen, ein Investment. Nicht nur finanziell, sondern auch kulturell. Man lernt ja auch etwas, wenn man ein Werk kauft, es steht immer jemand dahinter.

Künstler – ein Traumberuf?

Ja!

Welchen Kunst-Traum hättest Du gerne erfüllt?

Dass ich einen meiner schweren Köpfe in überdimensionaler Größe, z.B. 2-3 Meter groß machen darf. Dazu braucht es aber einmal den Kaufer sonst kann ich das mir nicht leisten diese Werk zu machen.

Was ist Dein Lieblingskunstwerk?

Mein „Schwerer Kopf“.

Ivan Lardschneider - Schwerer Kopf, 2006, 87 cm © Ivan Lardschneider

Ivan Lardschneider – Schwerer Kopf, 2006, 87 cm
© Ivan Lardschneider

Was ist Deine Lieblingsfarbe?

Rot, Gold und Weiß.

Lieber Ivan, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

Tobias Heitmann Galerie Zimmermann & Heitmann

Tobias Heitmann

geboren 1974
Website: www.zimmermann-heitmann.de
E-mail: info@zimmermann-heitmann.de


Was ist für Sie Kunst?

Kunst ist die Nabelschnur zu etwas Göttlichen!

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Künstler Sie vertreten?

Wir verkaufen seit 1879 Kunst, welche eher für die Masse gemacht ist – keine Nischen! Daher müssen neue Künstler schon sehr verkäuflich sein, auch wenn mir persönlich nicht jeder Künstler gefällt.

Wie erleben Sie Sammler?

Aufgrund unserer Ausrichtung haben wir sehr wenig klassische Sammler. Mit den wenigen haben wir aber durchweg gute Erfahrungen und freundschaftliche Partnerschaften.

Die Zukunft von Kunstgalerien?

Das ist die Frage der Fragen! Immer mehr Kunden sind durch das Internet sehr informiert und die Preise werden transparenter bei Serien. Persönlich finde ich das sehr gut, weil viele Kollegen in der Vergangenheit durch den Mangel an Informationen die Kunden quasi betrogen haben!

Lagerfeld (Strumbel) 1.jpg

Lagerfeld (Strumbel) 1“ von Stefan Strumbel.
Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Welchen Kunst-Traum hätten Sie gerne erfüllt?

Eine Ausstellung mit Andy Warhol.

Wer ist Ihr/e Lieblingskünstler/in?

Stefan Strumbel

Was ist Ihr Lieblingskunstwerk?

Meine Uhr von Stefan Strumbel.

Was ist Ihre Lieblingsfarbe?

Schwarz.

Lieber Herr Heitmann, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

Noch bis zum 31. Januar zeigt Evelyn Drewes in ihrer Hamburger Galerie die Ausstellung „Kintop“ mit der neuen Filmstills-Werkserie von Michael Peltzer. Zusätzlich zu dieser etwa 20-teiligen Serie werden bisher noch nie ausgestellte Werke der „Monster Invasion“ und Collagen des in Köln lebenden 37-jährigen Künstlers gezeigt.

Michael Peltzer - Lord Helmchen, 140 x 165 cm, Acryl auf Nessel, 2014 © Evelyn Drewes Galerie / Foto: Patrick Kiss

Michael Peltzer – Lord Helmchen, 140 x 165 cm, Acryl auf Nessel, 2014

Michael Peltzer - Daydream Believer (Detail), 100 x 80 cm, Acryl auf Nessel, 2014 © Evelyn Drewes Galerie / Foto: Patrick Kiss

Michael Peltzer – Daydream Believer (Detail), 100 x 80 cm, Acryl auf Nessel, 2014

Ein Markenzeichen der Bilder Peltzers ist, dass der Betrachter nicht sicher ist, ob die Motive noch nicht vollständig aus der ungestalteten Malmasse herausgetreten sind oder sich umgekehrt schon wieder auflösen. Um diesen Effekt zu erzielen, schüttet der Meisterschüler von Michael van Ofen Farbe auf die auf dem Boden liegende Leinwand und lässt sich in einem impulsiven Prozess von Spontanität leiten. Die Pinselführung begleitet, immer orientiert an einer reduzierten Vorzeichnung, den Fluss der Farben.

Peltzer verwendet für die Vorzeichnung oft Motive aus Filmen, die er aus seiner Jugend kennt und die einer medienvermittelten Realität entstammen – eine verwischte Existenz zwischen Realität und Fiktion. Ein Filmstill aus einem x-Beliebigen Filmklassiker kann Reminiszenen an Peltzers Malerei wecken und umgekehrt, denn Peltzer will sich nicht entscheiden.

Ob es sich wirklich um einen spezifischen Filmausschnitt, um Batman oder Blut handelt, wird auch weder bestätigt noch dementiert. Ein vermutlich großes Gebilde in einer angedeuteten, in schwarz-weiß gehaltenen Landschaft könnte ein hockendes Monster in Hippie-Montur darstellen oder es handelt sich vielleicht um ein paar Eiskugeln mit bunten Streuseln als Topping.

Michael Peltzer - Bif, Pang, Pow, 100 x 130 cm, Acryl auf Nessel, 2014 © Evelyn Drewes Galerie / Foto: Patrick Kiss

Michael Peltzer – Bif, Pang, Pow, 100 x 130 cm, Acryl auf Nessel, 2014

Peltzer kultiviert Ungenauigkeiten im Referieren auf seine Motivvorlagen und pointiert Unschärfen. Batman zum Beispiel, ohnehin eher vage durch seinen adoleszenten Begleiter Robin auszumachen, trägt Purpur und Pink. Die Stadt im Hintergrund könnte durchaus Gotham City darstellen, wie es jedes andere durch Wolkenkratzer bestimmte Citydistrikt sein könnte. Eben weil Gotham City in den Comics und Filmen eine fiktive Stadt ist, deren Gestalt kühl geordnete Machtamplituden darstellt, exemplarisch und westlich. Wenn wir davon ausgehen, dass Bilder nicht die Fortschreibung sondern der Anfang von eigenständigen Realitäten sind, dann wäre es grob fahrlässig, diesen in Pink gekleideten Spaßvogel als Batman im falschen Kostüm zu identifizieren.

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Michael Peltzer hat verstanden, was Malerei immer schon am besten konnte: überzeugend wie möglich so zu tun, als ob es sich um mehr handelt als um sich selbst.

Ausstellungsdauer: 22.11.2014 bis 31.01.2015

Website: www.evelyndrewes.de

ArtKiss-Besuch: 05.01.2015

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

In einer großen Überblicksausstellung präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt erstmals ein breites Panorama der Pop Art in ihrer spezifisch deutschen Variante – ein bisher kaum beachtetes kunsthistorisches Phänomen. Pop, der in Großbritannien und den USA seinen Anfang nahm und sich dort rasch als gattungsübergreifende Universalkultur etablierte, erfuhr in den 1960er-Jahren in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland eine originelle künstlerische Ausprägung.

Die in Westdeutschland lebenden Künstlerinnen und Künstler wie Thomas Bayrle, Christa Dichgans, K. H. Hödicke, Konrad Klapheck, Ferdinand Kriwet, Uwe Lausen, Sigmar Polke oder Gerhard Richter setzten sich – im Gegensatz zu den angloamerikanischen Künstlerkollegen mit ihrem oft plakativen und glamourösen Vokabular – in ihren Arbeiten mit den weniger grandiosen Banalitäten des deutschen Alltagslebens auseinander, ironisieren die kleinbürgerlichen Geschmacksideale und die beklemmende und trügerische Gemütlichkeit der 1960er-Jahre. Auf die Phase des Wirtschaftswunders folgte eine der politischen Aufarbeitung der damals jüngsten deutschen Vergangenheit. In der Bildenden Kunst suchte man nicht nur nach einem neuen Kunstbegriff und einer neuen Identität, hier fanden auch Prozesse der Demokratisierung statt.

Das Konzept der Ausstellung beleuchtet die vier maßgeblichen Zentren der Pop Art in Deutschland: Düsseldorf, Berlin, München und Frankfurt am Main. Sie brachten die Pop Art in ihrer Schlüsselphase als eigene großstädtische Kunstform zur Ausprägung.

„German Pop“ vereint rund 150 Kunstwerke und Dokumentationsmaterialen von 34 Künstlerinnen und Künstlern, darunter sowohl etablierte als auch längst vergessene und weitestgehend unbekannte Protagonisten der deutschen Pop Art. In der Ausstellung sind beeindruckende und überraschende Arbeiten zu sehen, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt wurden oder sogar noch nie öffentlich zugänglich waren. „German Pop“ versteht sich als Archäologie eines Jahrzehnts – den 1960er- bis frühen 1970er-Jahren –, die mit Gemälden, Objekten und Skulpturen, Filmen, Collagen und Grafiken eine Bestandsaufnahme der deutschen Pop Art leistet.

Ausstellungsdauer: 06.11.2014 bis 08.02.2015

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 21.12.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!