Archiv für November, 2014

Jun Ahn - Self-Portrait - Ausstellungsansicht (c) Christophe Guye Galerie

Jun Ahn – Self-Portrait – Ausstellungsansicht (c) Christophe Guye Galerie

Die Christophe Guye Galerie zeigt noch diese Woche die Einzelausstellung „Self-Portrait“ der 33-jährigen Künstlerin Jun Ahn aus Südkorea.) anzukündigen. Präsentiert wird Jun Ahns bekannteste Werkserie „Self-Portrait„.

Das Selbstportrait gehört heute für weibliche Fotografen, seit der jetzt kanonischen Arbeiten von Cindy Sherman und Francesca Woodman der 1970er Jahre, zum guten Ton. Jun Ahns todesmutigen bis selbstmörderischen Selbstportraits stellen eine besonders beunruhigende, aber fesselnde Erweiterung zu dieser Tradition dar. Sie sind paradox, fördern sowohl das Gefühl man habe es mit einer Göttin oder Superfrau zu tun, aber auch mit der Verletzlichkeit und Unschuld eines verwundeten Mädchens.

Jun Ahn - Self-Portrait - Ausstellungsansicht (c) Christophe Guye Galerie

Jun Ahn – Self-Portrait – Ausstellungsansicht (c) Christophe Guye Galerie

Ausstellungsdauer: 09.10.2014 bis 29.11.2014

Website: www.christopheguye.com

ArtKiss-Besuch: 18.11.2014

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Die dritte Ausgabe der Affordable Art Fair Hamburg zog erneut mehr Besucher an als im Vorjahr: 17.200 Besucher strömten an vier  Tagen in die Messehalle A3. Die Halle bot mehr Platz für mehr Aussteller: Diesmal durften 75 Galerien (2013: 70) Kunstwerke anbieten – und dies auch zu deutlich höheren Preisen. Um satte 50 % hatten die Veranstalter die Schmerzgrenze nach oben gesetzt: 7.500 € durfte ein Kunstwerk maximal kosten.

Affordable Art Fair 2014

Da fragt man sich, ob die ursprüngliche Idee und die kommerzielle Umsetzung nicht langsam arg auseinanderdriften. Denn welche Kunst-Einsteiger investiert mal so eben beim Messebesuch so viel Geld und lässt es sich gleich einpacken wie beim Metzger? Zumal die angebotenen Werke nicht selten von eher fragwürdiger Qualität im Hinblick auf ihren künstlerischen Ansatz waren. Und nicht selten wurde der neue preisliche Rahmen auch ausgeschöpft. Vielleicht auch aus der Not, den wie man hinter den Kulissen hören konnte, ist die Affordable Art Fair für Aussteller nicht unbedingt günstiger als ein vergleichbarer Auftritt auf der Art Cologne oder gar der Art Basel.

Mir persönlich hat ein einstündiger Rundgang bei der Late View (eine sehr begrüßenswerte Idee, dass man bis 22 Uhr die Ausstellung besuchen konnte) ausgereicht, um enttäuscht von Dannen zu ziehen. Zuviel dekorative Kunst, zuviel Look-alike-Ansätze, die man schon kennt.

Jim Avignon - Ich kann keine kunst mehr sehen

Jim Avignon – Ich kann keine kunst mehr sehen

Das Konzept, dass die präsentierten Künstler noch leben müssen, wurde beibehalten. Nur beim im Juli verstorbenen ZERO-Künstler Otto Piene wurde eine Ausnahme gemacht. So wurden sowohl Werke junger, aufstrebender Künstler ausgestellt als auch solche von etablierten Künstlern. Die Preisgrenze sorgte allerdings erneut dafür, dass die gezeigten Kunstwerke eher kleinformatig waren. Auf einer gut mit Besuchern gefüllten Messe kann es nämlich schon anstrengend werden, sich interessante Werke näher zu betrachten.

Otto Piene | ohne Titel | 1971 | 76 x 97 cm | Farbserigrafie. Courtesy: Galerie Pfanne Dreesen

Otto Piene | ohne Titel | 1971 | 76 x 97 cm | Farbserigrafie.
Courtesy: Galerie Pfanne Dreesen

Was mir besonders negativ auffiel: mehrere Galerien hatten zum Teil exakt die gleichen Kunstwerke im Angebot, die auch schon im Jahr zuvor gezeigt wurden. Das ist schwach und darauf sollten die Veranstalter besser achten. Ladenhüter gehören nicht auf eine Messe, die den Anspruch hat, eine gesunde Mischung aus rennomierten Namen und frischen neuen Gesichtern zu zeigen, die inspirieren soll. Immerhin war aber so auch vereinzelt zu beobachten, dass auch Preisanpassungen nach unten stattgefunden haben. Im letzten Jahr hatte ich speziell die marktfernen Preise für Drucke der Pop-Art-Künstler Mel Ramos oder Takashi Murakami kritisiert.

Dem Publikum scheint es aber wieder gefallen zu haben, schließlich lockte die Messe 4 % mehr Besucher an (17.200 nach 16.500 im Vorjahr) und umgesetzt wurde 10 % mehr (2,2 Mio. € nach 2,0 Mio. € 2013).

Messedauer: 13.11.2014 bis 16.11.2014

Website: affordableartfair.com/hamburg

ArtKiss-Besuch: 13.11.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Ur-Leica von 1914 © Leica Camera AG

Ur-Leica von 1914 © Leica Camera AG

Die Ausstellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ beleuchtet in 14 Kapiteln Aspekte der Kleinbildfotografie – von journalistischen Strategien über dokumentarische Ansätze bis hin zu freien künstlerischen Positionen. Im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg werden u.a. Arbeiten von Alexander Rodtschenko, Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Christer Strömholm, Robert Frank, Bruce Davidson, William Klein, William Eggleston, René Burri, Thomas Hoepker, Bruce Gilden präsentiert.

Rund 550 Fotografien von über 140 Künstlern, ergänzt um dokumentarisches Material – Zeitschriften, Magazine, Bücher, Werbemittel, Broschüren, Kameraprototypen, Filme – rekapitulieren die Geschichte der Kleinbildfotografie von den Anfängen bis in unsere Tage. Man sollte ungefähr 1 1/2 Stunden für den Besuch der Ausstellung einplanen, um alles sehen und lesen zu können.

Ausstellungsdauer: 24.10.2014 bis 11.01.2015

Website: www.deichtorhallen.de

ArtKiss-Besuch: 08.11.2014

ArtKiss-Wertung:
3 Sterne: Ganz okay, gutes Mittelmaß.

 

Nur eine Woche waren die Bilder von Christian Holtmann in Hamburgs Designzentrum „designxport“ zu sehen. Der Künstler sagt von sich, er sei „ein Fernsehkind gewesen, das abends allein zu Hause ganz viel und ganz früh geguckt und keine Vorbilder gehabt habe“.

Ausstellungsansicht: Christian Holtmann - spots M

Ausstellungsansicht: Christian Holtmann – spots M

Um diese Bilder zu verarbeiten und Platz für jene schaffen zu können, die er inzwischen zu sehen begann, musste er sich der Kunst zuwenden. Schon bald produzierte er wie besessen ein buntes Bildgestöber. Holtmann sagt, er hinterfrage nichts kritisch und entlarve auch nichts, außerdem würde er nicht gewichten.

Ausstellungsansicht: Christian Holtmann - Icke, Wars, Votre santé, Take the lot

Ausstellungsansicht: Christian Holtmann – Icke, Wars, Votre santé, Take the lot

Es ist eine Tour durch die Bilderwelt der Medien, unternommen mit wachem Blick und feinem Gespür für Motive, Farben und Proportionen; dazu mit einem ausgeprägten Sinn für Heiterkeit und Komik. Allerdings handelte es sich um eine sehr übersichtliche Ausstellung mit nur etwa 25 Bildern, von denen die meisten Holtmanns „spots“-Werke in verschiedenen Größen waren.

Ausstellungsansicht: Christian Holtmann - spots M und L

Ausstellungsansicht: Christian Holtmann – spots M und L

Die Galeristin von Christian Holtmann, Evelyn Drewes, meint übrigens augenzwinkernd, dass Holtmanns Kunst eher für Intelektuelle sei, die auch den Titel der Ausstellung richtig als „art, art, art“ verstünden.

Ausstellungsdauer: 31.10.2014 bis 08.11.2014

Website: www.designxport.de

ArtKiss-Besuch: 08.11.2014

Seit dem 4. Oktober 2014 ist Deutschlands größte James-Rizzi-Galerie (so die Betreiber) in der Hamburger Europapassage zu finden – schräg gegenüber vom „Stammhaus“, der Galerie Udo Lindenberg & more, wo die Rizzi-Werke bisher ausgestellt waren.

Auf dem Weg in die 2. Etage, wo die neue Galerie zu finden ist, wurde ein besonderes „Hinweisschild“ aufgestellt:

1999 gestaltete James Rizzi für Volkswagen drei New Beetle nach verschiedenen Themen. Dabei bemalte er nicht die Autos direkt, sondern Plastilin-Modelle im Maßstab 1:4. Anschließend wurden die Autos in Originalgröße im Airbrush-Verfahren fertiggestellt.

In der Galerie selbst wird eine breite Auswahl aus dem James-Rizzi-Universum zum Kauf angeboten: Von seltenen Unikaten (z.B. zwei kleine schwarz-weiß Zeichnungen aus den Jahren 1970 bzw. 1971 oder auch ein großes Leinwandwerk – für 191.000 €), 3D-Serigrafien und Bildern der Loft-Serie über ausgewähltes Goebel-Porzellan bis hin zu farbenfrohen Dekorationsgegenständen.

Website: www.rizzi-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 08.11.2014