Wer den Namen Piet Mondrian hört, denkt an abstrakte Malerei in den Farben Rot, Gelb und Blau. Doch wie kam der Maler zu dieser Reduktion? Mit Mondrian. Farbe geht erstmals eine Ausstellung dieser Frage nach. Anhand von 51 Gemälden wird deutlich, wie Mondrian durch die Auseinandersetzung mit Künstlern wie Paul Cézanne, mit Goethes Farbenlehre und der Theosophie auf der Suche nach der universellen Harmonie zu den Grundfarben und zur Abstraktion fand.

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum vereint Leihgaben aus international renommierten Sammlungen wie dem Gemeentemuseum Den Haag, dem Denver Art Museum oder der Tate in London. Rot, Gelb und Blau sind die Farben, die Piet Mondrians (1872–1944) Werk berühmt gemacht haben. Er gilt als einer der entschiedensten Verfechter der Abstraktion. Von seinen Anfängen mit holländischen Landschaften entwickelte sich Mondrian zum Pionier der ungegenständlichen Malerei.

Die künstlerischen Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts wollten mit den Traditionen brechen. Revolution war das Motto der Stunde. Auch Piet Mondrians Abstraktion wurde in diesem Zusammenhang gesehen. Seine ungegenständliche Malerei gehört heute zum Kanon der Avantgardekunst. Sie hatte sich von allem befreit, was man bis dahin mit Malerei verband.

Doch Mondrians Werk kam nicht durch Revolution zustande – er sah seinen Weg zur Abstraktion als einen evolutionären Prozess. Behutsam und kontinuierlich arbeitete er daran, sich zu unterscheiden: von seinen Kommilitonen an der Amsterdamer Rijksakademie van beeldende Kunsten ebenso wie von den Vorbildern der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, an denen er sich messen wollte, und den internationalen Positionen des beginnenden 20. Jahrhunderts, gegen die er antreten sollte. Mondrians frühe, seit den 1890er Jahren entstandene Landschaften zeigen seine Auseinandersetzung mit den Fragen des Realismus in der Tradition Rembrandts. Die erdigen, pastos aufgetragenen Farben dienten ihm als Material der Landschaft. Doch schon in seinen kurz nach 1900 entstandenen Landschaften malte Mondrian das Strahlen der Sonne und das Leuchten des Mondes.

1908 kam er erstmals in Berührung mit Goethes Farbenlehre. Unter Berufung auf Goethe formulierte er: „Farbe ist getrübtes Licht.“ Das Licht wird nicht als ein strahlendes gezeigt, sondern als ein Leuchten, das vom Horizont ausgeht. Damit verabschiedete sich Mondrian vom Realismus und brachte eine symbolistische Komponente in seine Landschaftsdarstellungen ein.

1909 wurde Mondrian Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Durch die schrittweise Überwindung der abbildenden Naturwiedergabe wollte sich Mondrian den universellen, überzeitlichen Gesetzen nähern. Dafür war die Farbe das entscheidende Gestaltungsmittel. Rot und Blau dominieren zahlreiche in diesen Jahren entstandene Gemälde Mondrians.

Mondrian zog 1912 nach Paris und beschäftigte sich intensiv mit den Werken der Kubisten. Sein Stil ist nun von der kubistischen Formsprache geprägt, wobei er weniger die räumliche Vielansichtigkeit der Bildgegenstände als deren rasterhafte Zergliederung suchte. In diesen Jahren erarbeitete er sich eine geometrische Linienstruktur. Anfangs klingt in ihnen noch die Farbigkeit der Pariser Hauswände nach: Ocker und Hellblau.

1921 beschloss Mondrian, nur noch die Primärfarben Rot, Gelb und Blau zu verwenden, die er in schwarzen Gittern mit Weiß ausbalancierte. Im Kombinieren von Linie und Farbe fand er seine gültigen Bildmittel, für die er den Stilbegriff „Neoplastizismus“ prägte. In kleinen Schritten, in Variationen und Differenzierungen, suchte Mondrian nach einer Harmonie, die das Überzeitliche ausdrückt.

Ausstellungsdauer: 01.02.2014 bis 11.05.2014

Website: www.buceriuskunstforum.de

ArtKiss-Besuch: 01.03.2014

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

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