IFSE LogoDas Institut für Strategieentwicklung (IFSE) hat die „Galerienstudie 2013“ veröffentlicht, die als empirische Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Galerien in Deutschland gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) durchgeführt wurde. 200 Galerien aus ganz Deutschland haben an der Online-Umfrage teilgenommen, die zusätzlich mit Interviews mit Galerie-Inhabern, Kunstmarktexperten und -dienstleister (z.B. Kunstversicherer und Anwälte) untermauert wurde.

Für die Eingrenzung des Teilnehmerkreises („Was ist eine professionelle Galerie?“) wurden zwei Kriterien angewendet:

  1. „Mindestens drei Jahre hauptberufliche Galerie-, Kunsthandels- bzw. Editionstätigkeit“ und „in den vergangenen drei Jahren wechselnde Ausstellungen (mindestens vier in jedem Jahr) in den eigenen Galerieräumen“ sowie „Einladungen für die Ausstellungen versandt bzw. die Geschäftsräume einer uneingeschränkten Öffentlichkeit für mindestens 20 Stunden die Woche geöffnet“ (BVDG-Satzung)
  2. Teilnahme an mindestens einer von 21 Messen für zeitgenössische Kunst.

Diese Galerie-Definition erfüllten etwa 700 Galerien. Würde man die Kriterien nicht anwenden, liegt die Zahl der Galerien für zeitgenössische Kunst in Deutschland bei rund 1.000. Darüber hinaus soll es noch etwa 200 Kunsträume geben, die aber nicht in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

  • Berlin ist Deutschlands „Galerie-Hauptstadt“

    Geographische Verteilung der Galerien in Deutschland (in %, N=523, Quelle: IFSE)

    Geographische Verteilung der Galerien in Deutschland (in %, N=523, Quelle: IFSE)

  • Von den an der Umfrage teilnehmenden Galerien konzentrieren sich 72 % ausschließlich auf zeitgenössische Kunst, weitere 21 % handeln überwiegend mit Gegenwartskunst (wobei die Studie reine Kunsthändler des Sekundärmarkts nicht einbezogen hat).
  • Die durchschnittliche deutsche Galerie ist seit 15 Jahren im Geschäft, 27 % sind jünger als fünf Jahre, 78 % sind jünger als 25 Jahre. Nur 3 % sind länger als 50 Jahre am Markt aktiv.
  • Betrieben werden die Galerien in der Regel vom Inhaber (90 %), die zu 62 % männlich sind und entsprechend zu 38 % weiblich.
  • Bei den präsentierten Künstlern ist die Geschlechterbalance noch unausgeglichener: nur 25 % der vertretenen Künstler sind weiblich.
  • In Deutschland wurde zeitgenössische Kunst 2013 auf über 112.000 qm präsentiert, was einer Ausstellungsfläche von 160 qm für eine typische Galerie entspricht. Auf diesen 160 qm werden meist etwa 16 Künstler gezeigt, d.h. 10 qm für jeden Künstler (alle deutschen Galerien repräsentieren insgesamt über 11.000 Künstler).
  • Die vertretenen Künstler stammen zu 37 % aus der Region (in Berliner Galerien sogar 48 % – wohl ein Effekt der Tatsache, dass in Berlin über 5.000 Künstler leben). Die knappe Mehrheit (55 %) der Künstler gilt als „Emerging Artists“, d.h. sie stehen noch am Anfang ihrer Karriere und haben ihre Ausbildung in den letzten fünf Jahren abgeschlossen. In kleineren Galerien (bezogen auf den Umsatz) ist der Anteil der regionalen Künstler tendenziell, der Anteil junger Künstler deutlich höher.
  • Im Schnitt organisiert eine deutsche Galerie ca. sechs Ausstellungen jährlich und begrüßt insgesamt 2.400 Besucher. In einer normalen Woche, d.h. ohne spezielle Events wie Ausstellungseröffnungen, kommen nur etwa zehn Kunstinteressierte am Tag durch die Türen einer Galerie.
  • Kunstmessen sind sehr wichtige Umsatzbringer für deutsche Galerien. Daher stellt jede auf durchschnittlich 1,9 Messen aus und generiert dort geschätzte 60-80 % ihres jährlichen Umsatzes.
  • Eine mittelgroße Galerie hat typischerweise vier potenzielle „Probleme“ zu bewältigen:1. volatile Umsatzentwicklungen erschweren langfristige Planungen
    2. Inhaber fühlen sich verantwortlich für Personal und Geschäftsräume
    3. Abhängigkeit von einer eher kleinen Gruppe von Sammlern aus der Region
    4. Wettbewerb unter den Galerien kann zu Abwerbungen von Künstlern führen
  • Etwa 60 % der deutschen Galerien erwirtschaften einen Jahresumsatz von unter 200.000 € und damit gerade einmal 6 % des Gesamtumsatzes. Etwa 15 % machen einen Jahresumsatz von über 500.000 €. Insgesamt erzielen alle deutschen Galerien zusammen weniger Umsatz als die umsatzstärkste amerikanische Galerie Gagosian alleine jährlich erzielt. Im Durchschnitt bedeutet dies 64.000 € Umsatz pro Galerie im Jahr.
  • Bezüglich des Standortes legen Galeristen vor allem auf drei Faktoren Wert: hohe Galeriendichte, Verfügbarkeit von Immobilien mit vernünftigen Mieten und eine lebendige Kunstszene.
  • Malerei bleibt die wichtigste Kunstform für Galeristen:

    Welches Genre ist für ihre Galerie der wichtigste Umsatzbringer? (in %, N=144, Quelle: IFSE)

    Welches Genre ist für ihre Galerie der wichtigste Umsatzbringer? (in %, N=144, Quelle: IFSE)

  • Das „typische“ Gemälde wird für 1.000 bis 5.000 € verkauft:

    In welchem Preiskorridor verkaufen sie ein "typisches" Gemälde? (in %, N=89, Quelle: IFSE)

    In welchem Preiskorridor verkaufen sie ein „typisches“ Gemälde? (in %, N=89, Quelle: IFSE)

Die gesamte Studie mit allen Ergebnissen (46 Seiten) ist als Print-Version zum Preis von 80 € (zzgl. MwSt.) bestellbar. Details finden Sie unter www.ifse.de

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