Archiv für Januar, 2014

Ausstellungsplakate: das sind in der Regel Abbildungen vom besten Exponat einer Ausstellung, versehen mit einem Text, der über Zeit und Ort informiert. Mit ihren attraktiven Reproduktionen von Kunstwerken sind sie eine beliebte Dekoration in Wohnungen. Die Plakate des Museums für Gestaltung in Zürich sehen anders aus.

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Überraschung als Konzept – Blick in die Ausstellung

Das renommierte Designmuseum verfügt über eine der besten Plakatsammlungen der Welt. Seit Jahrzehnten vergibt es die Plakataufträge für eigene Ausstellungen nicht an Werbeagenturen, für die Plakate Teil des Erscheinungsbildes wären, sondern an individuell arbeitende Designer. Ihnen werden bei der Gestaltung des Plakates keinerlei Einschränkungen auferlegt: Kein Logo, keine bestimmte Schrift, kein Motiv ist vorgegeben. So kommt es, dass jedes Plakat dieses Museums anders aussieht.

Manche Gestalter gehen an die Grenzen der Lesbarkeit, andere arbeiten mit stark vergrößerten Details, wieder andere machen die Schrift selbst zum Blickfänger. Das Plakat ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern feiert sich selbst – es wird zum Kunstwerk aus eigenem Anspruch. Ganz nebenbei gerät die Ausstellung mit rund 80 Plakaten im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) auch zu einer Leistungsschau führender Schweizer Grafiker. Darunter so hervorragende Plakatkünstler wie Ralph Schraivogel, Cornel Windlin oder Martin Woodtli. Ein Großteil der gezeigten Plakate verbleibt nach der Ausstellung als Geschenk in der Sammlung des MKG.

Überraschung als Konzept - Blick in die Ausstellung 2

Überraschung als Konzept – Blick in die Ausstellung

Schweizer Plakate haben einen besonderen Ruf. Sie sind groß, hervorragend gedruckt und modern gestaltet. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde in der Schweiz das sogenannte Weltformat eingeführt: 90,5 x 128 cm. Die Welt hat sich freilich nicht daran beteiligt; große Nachbarländer wie Frankreich oder Deutschland haben eigene Standards entwickelt, aber der Name blieb erhalten. Bis heute dominiert in der Schweiz, auch in der kommerziellen Plakatwerbung, das Weltformat und trägt wesentlich dazu bei, dass selbst die Plakatierung hier einen „ordentlichen“ Eindruck macht.

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Überraschung als Konzept – Blick in die Ausstellung

Ausstellungsdauer: 17.12.2013 bis 30.03.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

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Website: www.moma.org

ArtKiss-Besuche: 14.09.2013 und 01.10.2013

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Website: www.moma.org

ArtKiss-Besuche: 14.09.2013 und 01.10.2013

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!

IFSE LogoDas Institut für Strategieentwicklung (IFSE) hat die „Galerienstudie 2013“ veröffentlicht, die als empirische Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Galerien in Deutschland gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) durchgeführt wurde. 200 Galerien aus ganz Deutschland haben an der Online-Umfrage teilgenommen, die zusätzlich mit Interviews mit Galerie-Inhabern, Kunstmarktexperten und -dienstleister (z.B. Kunstversicherer und Anwälte) untermauert wurde.

Für die Eingrenzung des Teilnehmerkreises („Was ist eine professionelle Galerie?“) wurden zwei Kriterien angewendet:

  1. „Mindestens drei Jahre hauptberufliche Galerie-, Kunsthandels- bzw. Editionstätigkeit“ und „in den vergangenen drei Jahren wechselnde Ausstellungen (mindestens vier in jedem Jahr) in den eigenen Galerieräumen“ sowie „Einladungen für die Ausstellungen versandt bzw. die Geschäftsräume einer uneingeschränkten Öffentlichkeit für mindestens 20 Stunden die Woche geöffnet“ (BVDG-Satzung)
  2. Teilnahme an mindestens einer von 21 Messen für zeitgenössische Kunst.

Diese Galerie-Definition erfüllten etwa 700 Galerien. Würde man die Kriterien nicht anwenden, liegt die Zahl der Galerien für zeitgenössische Kunst in Deutschland bei rund 1.000. Darüber hinaus soll es noch etwa 200 Kunsträume geben, die aber nicht in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

  • Berlin ist Deutschlands „Galerie-Hauptstadt“

    Geographische Verteilung der Galerien in Deutschland (in %, N=523, Quelle: IFSE)

    Geographische Verteilung der Galerien in Deutschland (in %, N=523, Quelle: IFSE)

  • Von den an der Umfrage teilnehmenden Galerien konzentrieren sich 72 % ausschließlich auf zeitgenössische Kunst, weitere 21 % handeln überwiegend mit Gegenwartskunst (wobei die Studie reine Kunsthändler des Sekundärmarkts nicht einbezogen hat).
  • Die durchschnittliche deutsche Galerie ist seit 15 Jahren im Geschäft, 27 % sind jünger als fünf Jahre, 78 % sind jünger als 25 Jahre. Nur 3 % sind länger als 50 Jahre am Markt aktiv.
  • Betrieben werden die Galerien in der Regel vom Inhaber (90 %), die zu 62 % männlich sind und entsprechend zu 38 % weiblich.
  • Bei den präsentierten Künstlern ist die Geschlechterbalance noch unausgeglichener: nur 25 % der vertretenen Künstler sind weiblich.
  • In Deutschland wurde zeitgenössische Kunst 2013 auf über 112.000 qm präsentiert, was einer Ausstellungsfläche von 160 qm für eine typische Galerie entspricht. Auf diesen 160 qm werden meist etwa 16 Künstler gezeigt, d.h. 10 qm für jeden Künstler (alle deutschen Galerien repräsentieren insgesamt über 11.000 Künstler).
  • Die vertretenen Künstler stammen zu 37 % aus der Region (in Berliner Galerien sogar 48 % – wohl ein Effekt der Tatsache, dass in Berlin über 5.000 Künstler leben). Die knappe Mehrheit (55 %) der Künstler gilt als „Emerging Artists“, d.h. sie stehen noch am Anfang ihrer Karriere und haben ihre Ausbildung in den letzten fünf Jahren abgeschlossen. In kleineren Galerien (bezogen auf den Umsatz) ist der Anteil der regionalen Künstler tendenziell, der Anteil junger Künstler deutlich höher.
  • Im Schnitt organisiert eine deutsche Galerie ca. sechs Ausstellungen jährlich und begrüßt insgesamt 2.400 Besucher. In einer normalen Woche, d.h. ohne spezielle Events wie Ausstellungseröffnungen, kommen nur etwa zehn Kunstinteressierte am Tag durch die Türen einer Galerie.
  • Kunstmessen sind sehr wichtige Umsatzbringer für deutsche Galerien. Daher stellt jede auf durchschnittlich 1,9 Messen aus und generiert dort geschätzte 60-80 % ihres jährlichen Umsatzes.
  • Eine mittelgroße Galerie hat typischerweise vier potenzielle „Probleme“ zu bewältigen:1. volatile Umsatzentwicklungen erschweren langfristige Planungen
    2. Inhaber fühlen sich verantwortlich für Personal und Geschäftsräume
    3. Abhängigkeit von einer eher kleinen Gruppe von Sammlern aus der Region
    4. Wettbewerb unter den Galerien kann zu Abwerbungen von Künstlern führen
  • Etwa 60 % der deutschen Galerien erwirtschaften einen Jahresumsatz von unter 200.000 € und damit gerade einmal 6 % des Gesamtumsatzes. Etwa 15 % machen einen Jahresumsatz von über 500.000 €. Insgesamt erzielen alle deutschen Galerien zusammen weniger Umsatz als die umsatzstärkste amerikanische Galerie Gagosian alleine jährlich erzielt. Im Durchschnitt bedeutet dies 64.000 € Umsatz pro Galerie im Jahr.
  • Bezüglich des Standortes legen Galeristen vor allem auf drei Faktoren Wert: hohe Galeriendichte, Verfügbarkeit von Immobilien mit vernünftigen Mieten und eine lebendige Kunstszene.
  • Malerei bleibt die wichtigste Kunstform für Galeristen:

    Welches Genre ist für ihre Galerie der wichtigste Umsatzbringer? (in %, N=144, Quelle: IFSE)

    Welches Genre ist für ihre Galerie der wichtigste Umsatzbringer? (in %, N=144, Quelle: IFSE)

  • Das „typische“ Gemälde wird für 1.000 bis 5.000 € verkauft:

    In welchem Preiskorridor verkaufen sie ein "typisches" Gemälde? (in %, N=89, Quelle: IFSE)

    In welchem Preiskorridor verkaufen sie ein „typisches“ Gemälde? (in %, N=89, Quelle: IFSE)

Die gesamte Studie mit allen Ergebnissen (46 Seiten) ist als Print-Version zum Preis von 80 € (zzgl. MwSt.) bestellbar. Details finden Sie unter www.ifse.de

Max Sauerlandt (1880-1934), zweiter Direktor des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG), pflegte einen besonders intensiven Austausch mit Künstlern wie Richard Haizmann, Rolf Nesch, Karl Ballmer und Karl Kluth, die in den 1920er Jahren maßgeblich die lokale Hamburger Kunstszene prägten. Ihnen widmet sich die Neupräsentation der Sammlung der Hamburger Sparkasse im MKG.

Sauerlandt gehörte zu den wichtigen Förderern der modernen Kunst in Hamburg. Unter seiner Leitung entwickelt sich das MKG in den 1920er und frühen 1930er Jahren zu einem der bedeutenden Häuser für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Während seiner Amtszeit zwischen 1919 und 1933 kauft er etwa 300 zeitgenössische Werke an. Ein Großteil wird 1937 im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt. Diese empfindliche Lücke kann in der Nachkriegszeit durch Schenkungen oder Neuankäufe nur teilweise geschlossen werden. Dank der Dauerleihgabe der Hamburger Sparkasse ist die als Hamburger Sezession bekannte Kunstperiode, die durch Sauerlandt entscheidende Impulse erhält, im MKG wieder vertreten.

Die rund 40 in der Haspa-Galerie gezeigten Werke werden ergänzt durch Arbeiten dieser und weiterer Künstler wie Moissey Kogan, Hans Martin Ruwoldt oder Naum Slutzky aus der Sammlung des MKG. Sie werden im neu eingerichteten Ausstellungsbereich „Hamburger Moderne“ gezeigt.

Ausstellungsdauer: 14.06.2013 bis 28.01.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

Sie sind so klein, dass man sie einfach einatmen könnte – die Skulpturen des englischen Bildhauers Willard Wigan. Ihm selbst ist das schon passiert. Die Wolkenkratzer, Bäume, Figuren und Märchenszenen sind weniger als 0,005 Millimeter groß. Daher sind in der Ausstellung Mikroskope vorbereitet, damit man die extrem faszinierenden Mini-Kunstwerke sehen und bestaunen kann.

Winzig auch Wigans Usain Bolt, schnellster Mann der Welt, in seiner berühmten Siegerpose. Schon als Kind faszinieren ihn Ameisen, er baut für sie Häuser. Mit Inneneinrichtung. Maßstabsgetreu.

Die Idee zu seinen heutigen Kunstwerken kommt ihm, als er einen Bibelspruch hört: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich kommt.“ Das stachelt Wigans Ehrgeiz an. Mit Hilfe eines Mikroskops schafft er am Ende etwas Unglaubliches: Durch sein Nadelöhr passt eine ganze Karawane – neun Kamele aus Teppichfasern. Stillhalten ist hier die größte Gabe – jahrelanges Training die Voraussetzung. Sogar das Echo vom Verkehr draußen kann seine Arbeit beeinträchtigen. Darum zieht er sich an ruhige Orte zurück oder arbeitet nachts. Um seine Mikroskulpturen zu perfektionieren, lernt Wigan Herzschlag und Puls zu kontrollieren. Dafür trainiert er wie ein Spitzensportler. Besonders filigrane Arbeiten erledigt er in den anderthalb Sekunden zwischen zwei Herzschlägen, den Pulsschlag im Finger benutzt er wie einen Presslufthammer. Und nachdem er aus Versehen schon mal Alice (im Wunderland) inhaliert hat, achtet er präzise auf seine Atmung. Er selbst nennt es: „death man working“. Sein Spezialwerkzeug baut er sich selbst – aus Nadeln mit Rubin- und Diamantsplittern. Als Pinsel benutzt der die Wimpern vom äußeren Ende seines Augenlides. Für seine Figuren und Szenerien verarbeitet der 56-jährige Künstler Materialien wie Gold, Teppichfasern, Reste von Nylonetiketten und Kabelbindern. Die Skulpturen erzielen auf dem Kunstmarkt mittlerweile astronomische Preise.

Der Startschuss für die ungewöhnliche Karriere fällt vor über 50 Jahren: Als Wigan mit fünf Jahren in die Schule kommt, hat er es schwer. Er leidet an Legasthenie, wird von Mitschülern und Lehrern gehänselt. Er zieht sich zurück in eine eigene Welt und baut dort für Ameisen ganze Wohnkomplexe mit Mobiliar und Ausstattung. Er glaubt, dass wenn man sein Werk nicht sehen kann, es auch nicht kritisiert werden kann. Oft beschrieben als „nichts“, nimmt sich Wigan vor, der Welt zu zeigen, dass „nichts“ nicht existiert. „Meine Arbeit ist eine Reflexion meiner selbst“, sagt Wigan. „Ich möchte der Welt zeigen, dass die kleinen Sachen die größten Dinge sein können. In der Schule konnte ich mich nicht ausdrücken und ich habe mich wie ein niemand gefühlt. Ich wollte mit dieser Welt experimentieren, die wir nicht sehen können.“ Von da an fesselt ihn die Welt der Miniaturen. Er stellt sich fortwährend neuen Herausforderungen, um Dinge immer noch kleiner zu machen.

In einem TED-Beitrag, der auch in der Ausstellung „Kleine Welten“ gezeigt wird, erklärt Willard Wigan seinen Weg zur Kunst und wie er seine Skulpturen herstellt – sehenswert!


Ausstellungsdauer: 08.12.2013 bis 16.03.2014

Website: www.mkg-hamburg.de

ArtKiss-Besuch: 01.01.2014

ArtKiss-Wertung:
5 Sterne: Ein Muss. Unbedingt anschauen!