Archiv für Dezember, 2013

Gemeinsam mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert die US-amerikanische Künstlerin Roni Horn (*1955) eine erweiterte Form ihrer 2005 konzipierten fotografischen Arbeit „Portrait of an Image (with Isabelle Huppert)“: 16 ausgewählte Motive des seriell angelegten Werkes sind als irritierende Interventionen im Frankfurter Stadtraum verteilt, während die gesamte, 100-teilige Porträtserie in den Rotundenumgängen der Schirn gezeigt wird.

Die Inszenierung im öffentlichen Raum ist innerhalb des künstlerischen OEuvres Roni Horns in dieser Form bisher einmalig. Die zweiteilige Serie „Portrait of an Image (with Isabelle Huppert)“ – je 50 Fotografien in Sequenzen à fünf Motive – basiert auf einer Zusammenarbeit zwischen Horn und der französischen Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert. Gemeinsam wählten sie frühere Rollen Hupperts aus, die dann für die Kamera von der Schauspielerin wieder aufgeführt wurden. Für diese fotografischen Aufnahmen vergegenwärtigte sich Huppert ihr Repertoire, ohne Drehbücher oder die Filme selbst zu Hilfe zu nehmen, allein anhand ihrer Erinnerung.

Von der Schirn ausgehend, platziert Horn eine Auswahl dieser Motive im öffentlichen Raum in einer Weise, die diese nicht als Teil ihrer Arbeit oder als künstlerisches Projekt erkennen lassen: Weder werden die Künstlerin oder die sie ausstellende Institution namentlich genannt, noch ist die Arbeit durch einen Titel als künstlerisches Werk gekennzeichnet. 16 Motive tauchen im Frankfurter Stadtraum an Orten auf, an denen üblicherweise Werbung zu sehen ist – Werbung, die in unserer Gesellschaft größtenteils auf die Wirkungskraft von Gesichtern vertraut. In Horns Arbeit aber erscheinen Porträts kommentarlos und werfen dadurch Fragen auf, etwa danach, wie und ob wir das Gesicht unseres Gegenübers auch ohne vorgegebenen Kontext lesen können.

Die Konfrontation mit diesen Gesichtern im Stadtbild bietet Gelegenheit zu unerwarteten, zufälligen Begegnungen und zu wiederkehrenden Zusammentreffen, wie sie im alltäglichen sozialen Miteinander geschehen. Bereits Ende September bis Anfang Oktober 2013 waren vorrübergehend ausgewählte Motive der Serie im Frankfurter Stadtraum sichtbar, sodass die Bilder nun teilweise einen ersten unbewussten Wiedererkennungseffekt erzeugen können. Bereits vor dem offiziellen Ausstellungsbeginn werden die Gesichter Isabelle Hupperts in U-Bahnstationen und -waggons sowie auf Großflächen punktuell plakatiert.

Diese Plakatierung verdichtet sich über mehrere Tage hinweg. Einige Orte sind über eine längere Dauer bespielt wie etwa eine sich drehende Werbefläche unter einer städtischen Großuhr am Frankfurter Allerheiligentor sowie der Holbeinsteg über den Main, über den ein mit einem Foto bedrucktes Banner gespannt ist. Am ersten Ausstellungstag sowie zu einem weiteren Termin werden in hessischen Bahnhöfen, wie Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Kassel, Fulda, Gießen, Darmstadt und Hanau, Motive auf 110 digitalen Werbeflächen erscheinen und wieder verschwinden. Damit ist eine zentrale Eigenschaft dieser Arbeit umgesetzt, die sich nicht nur durch ihre Konzeption und die Protagonistin mit der Kunst des Schauspiels auseinandersetzt, sondern selbst ausschließlich in der Realisierung, gewissermaßen der Aufführung, nämlich durch eine Ausstellung sichtbar wird und ähnlich wie das Bühnengeschehen nur zeitlich begrenzt erfahrbar ist. Im Unterschied zu anderen fotografischen Arbeiten Roni Horns existiert „Portrait of an Image“ nur in dieser Form. Sie ist nicht in einer alle Einzelbilder umfassenden, beständigen Publikation festgehalten.

Ausstellungsdauer: 12.12.2013 bis 26.01.2014

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 22.12.2013

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Das mutige und außergewöhnliche Werk des US-amerikanischen Malers Philip Guston (1913–1980) war eines der meistdiskutierten seiner Zeit. Guston brachte als Erster die Figur in die amerikanische Nachkriegsmalerei, leistete durch die Verbindung von „hoher Kunst“ und Bildern der Populärkultur Bahnbrechendes und wird heute als Vorreiter der postmodernen figürlichen Malerei gefeiert.

Philip Guston. Das grosse Spätwerk. Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2013. Foto: Norbert Miguletz

Philip Guston. Das grosse Spätwerk. Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2013. Foto: Norbert Miguletz

Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt das Spätwerk von Philip Guston und damit einen Meilenstein der amerikanischen Malerei. Mit einer Auswahl von 70 Gemälden und Zeichnungen vereint die Ausstellung  Leihgaben aus dem Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, oder dem Stedelijk Museum, Amsterdam. Dennoch kommt einem die Ausstellung sehr klein vor. Wahrscheinlich deswegen, weil an einer Wand allein 32 kleinformatige Bilder gezeigt werden.

Im Laufe der 1950er-Jahre fasste der Autodidakt Guston in der New Yorker Kunstszene Fuß und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus mit Jackson Pollock, Willem de Kooning oder Mark Rothko. Ende der 1960er-Jahre begann eine intensive Phase des Zeichnens. Diese gipfelte schließlich innerhalb seiner Malerei zu einem Bruch mit dem „Reinheitsgebot“ der Abstraktion: Guston führte derbe Figuren und Figurenfragmente in seine Werke ein; rauchend, trinkend, nicht selten auch malend bevölkern sie die in den Farben Pink, Rot, Schwarz und Blau gehaltenen Leinwände. Große Köpfe, behaarte Beine, klobige Schuhe und allerlei Architekturfragmente wie Mauern, Türen und Glühbirnen gehören zu Gustons Motiven, die an Comics der 1920er-Jahre erinnern. Seine Bilder werden häufig als Vorläufer des „Bad Painting“ verstanden.

Die großformatigen Werke begegnen dem Betrachter mit unvermittelter Vehemenz. Der formalen Schwere, inhaltlichen Offenheit und scheinbaren Verrätselung liegen eine tiefgründige Sensibilität und weitreichende inhaltliche wie malerische Überlegungen des Künstlers zugrunde. Die erste Ausstellung dieser mit anarchischem Sinn für Humor und für das Groteske ausgestatteten Gemälde geriet 1970 zum New Yorker Kunstskandal. Den „Verrat“ an der Abstraktion verübelten ihm viele Kritiker. Bis heute übt Gustons rätselhaftes Spätwerk in seiner Intensität und verstörenden Kraft großen Einfluss auf viele jüngere Künstler aus.

Ausstellungsdauer: 06.11.2013 bis 02.02.2014

Website: www.schirn.de

ArtKiss-Besuch: 22.12.2013

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne: Wenn man nichts besseres zu tun hat…

In den 1910er und 20er Jahren zählte der Dresdner Conrad Felixmüller (1897–1977) zu den bekanntesten und erfolgreichsten Nachwuchskünstlern in Deutschland. Selbstbewusst malte sich der hochbegabte Jugendliche zunächst durch Expressionismus und Kubismus hindurch, ehe er schließlich zu einem Protagonisten der Neuen Sachlichkeit wurde.

Die Jahre der Weimarer Republik beschrieb Felixmüller rückblickend als eine Zeit zwischen „Glückseligkeit“ und „Kampfesmut“. Seine Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken spiegeln dieses gesteigerte Lebensgefühl in anrührenden Porträts, einfühlsamen Milieustudien und kraftvollen, von politischem Engagement getragenen Figurenbildern.

Bereits im Alter von 15 Jahren wurde Conrad Felixmüller zum Studium an der Königlichen Kunstakademie in Dresden aufgenommen und erfuhr in der Geburtsstadt der Künstlergruppe Brücke wichtige Impulse. Seine kubistisch geprägten Arbeiten bis 1919, sein spätexpressionistisches Werk der frühen 1920er Jahre und die anschließende sachlich-realistische Phase zeigen – jenseits stilistischer Festlegungen – Felixmüllers außergewöhnliches Talent in allen malerischen und grafischen Techniken.

Die Ausstellung im Hamburger Ernst Barlach Haus versammelt rund 80 Werke aus den Jahren 1918 bis 1933, darunter teils selten gezeigte Bilder und zwei Eichenholzreliefs aus Privatbesitz. Bedeutende Leihgaben stammen unter anderem aus den Kunstsammlungen Chemnitz–Museum Gunzenhauser, dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

Ausstellungsdauer: 13.10.2013 bis 02.02.2014

Website: www.barlach-haus.de

ArtKiss-Besuch: 14.12.2013

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

Die Kunst der Aborigines ist die älteste kontinuierliche Kunsttradition der Welt. Sie wird bis heute von eingeborenen Künstlern geschaffen und umfasst insgesamt einen Zeitraum von 40.000 Jahren. Von den steinzeitlichen Felsmalereien bis zur Kunst der Gegenwart basieren alle Werke auf dem traditionellen und rituellen Kulturverständnis der Aborigines und vermitteln ihren originären Zugang zur Welt.

Mit dem Malakt formuliert der Aboriginal-Künstler bis heute seine „Dreamings„. Sie markieren Territorien, zeichnen Geschichte auf und übermitteln Erzählungen über die „Dreamtime„, der spirituellen, natürlichen und moralischen Ordnung des Kosmos. Sie erzählen die Geschichten der Eingeweihten und Initalisierten, die über das entsprechende rituelle Wissen verfügen, und sie beschreiben die äußere Welt, die Berge, Täler, Felshöhlen, Wasserstellen, Pflanzen und Steine, die für alle, auch für den westlichen Betrachter zugänglich sind. Die gesamte Kunst der Aborigines lebt von dieser mythologisch-spirituellen Orientierung, der „Dreamtime“ nahe zu sein.

Das „Dreaming“ bleibt immer dasselbe. Es verändert sich nicht. Die Alten geben es als das Gesetz und die Lehre an die Jungen weiter. Die Symbole, Markierungen oder Muster am Boden, am Körper, an den zeremoniellen Gegenständen oder heutzutage auf der Leinwand sind sichtbare Manifestationen des „Dreamings„, die den Maler mit jener Urkraft aus der Vorzeit verbinden. Jeder Mensch hat sein eigenes „Dreaming„, das er entweder vom Vater, vom Großvater oder von der Mutter als Erbe vermittelt bekam. Das „Dreaming“ regelt auch das Verwandtschaftssystem, legt fest, wer wen heiraten darf und ordnet die Beziehungen der einzelnen Clanmitglieder untereinander.

Weil alles in der Natur, auch der Mensch, durch das „Dreaming“ erschaffen wurde und bis heute den Strukturen der „Dreamtime“ folgt, ist es nur den Eingeweihten gestattet, von der Traumzeit zu berichten, sie zu malen oder sonst wie darzustellen.

Die bis zum 1. Januar 2014 verlängerte Ausstellung zeigt rund 80 Gemälde und Objekte, Bücher und Texte der indigenen Australier, in denen das Geheimnis ihrer Kultur thematisiert wird.

Ausstellungsdauer: 25.08.2013 bis 01.01.2014

Website: www.ernst-barlach.de

ArtKiss-Besuch: 14.12.2013

ArtKiss-Wertung:
4 Sterne: Sehenswert!

The World Of Ed Heck Gallery & Shop

The World Of Ed Heck Gallery & Shop
799 Broadway
New York City 10003
Telefon +1 212-473-6802
E-Mail info@edheck.com
Webseite www.edheck.com

Gleich mehrfach hatte ich die Gelegenheit, die kleine neue Galerie von Ed Heck auf dem Broadway südlich des Union Squares in New York zu besuchen.

Dies ist die erste Flagship-Kunst-Galerie von „The World of Ed Heck“. Eröffnet wurde sie am 29. Juni 2013.

Natürlich – und wie der Name schon verrät – führt der Galerieshop ausschließlich die Kunst von Ed Heck. Diese wird in Form von Unikaten, limitierten und offenen Drucken sowie Postern angeboten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Merchandise-Produkten wie Koffer, Kissen u.Ä. mit den Motiven des Künstlers (was mir bei Künstlern nicht so gut gefällt, wie ich es auch schon im Beitrag „Romero Britto Outlet?“ zum Ausdruck gebracht habe). Und es gibt auch die schönen Bilderbücher für Kinder zu kaufen.

Praktischerweise kann man die ausgewählten Werke gleich im Shop rahmen lassen, denn Robin – ein Freund von Ed – bietet individuelle Rahmungen an und vertritt den Künstler auch in der Galerie, wenn dieser im Atelier in Brooklyn ist.

TWOEH Gallery & Shop -Stop in and say hello today : )

TWOEH Gallery & Shop -Stop in and say hello today : )
(c) by Ed Heck

Das Ed Heck sich immer wieder über Besuch freut, kann man nicht nur an seiner netten und verbindlichen Art erkennen, sondern auch daran, dass er Fotos von seinen Besuchern zusammen mit ihm auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht, so auch von meinem Besuch.

Website: www.edheck.com

ArtKiss-Besuche: 12., 15. und 30.09.2013

„The Smoker“, ein Unikat in Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, ist das Highlight der James-Rizzi-Ausstellung der Udo Lindenberg & more Walentowski Galerie in der Hamburger Europapassage. Es ist zugleich einer der teuersten Rizzis, die derzeit käuflich zu erwerben sind (195.500 € inkl. Rahmen).

Die Ausstellung zeigte viele Unikate, Zeichnungen und neue 3-D-Bilder. Letztere sind allerdings nicht mehr von Rizzi selbst signiert – ich bin nicht sicher, was man davon halten soll…

Ausstellungsdauer: 23.11.2013 bis 07.12.2013

Website: www.galerie-europapassage.de

ArtKiss-Besuch: 07.12.2013

Auf der New Yorker Madison Avenue kann man nicht nur Fashion shoppen, sondern auch Kunst – in mehr als 40 Galerien!

Während die ganz noblen Galerien wie z.B. Gagosian weiter oben auf der Upper East Side zu finden sind, ist die Eden Fine Art Gallery in Midtown auf Höhe der 50th St. angesiedelt.

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Das Angebot wird von Pop Art dominiert, die Galerie mit Stammsitz in Israel vertritt neben internationalen Künstlern (Randy Cooper, Romero Britto, David Kracov, Daniel Gastaud, Lirone) auch diverse Künstler aus der Heimat (Yoel Benharrouche, Dorit LevinsteinNatan Elkanovich, Calman Shemi).

Derzeit zwar nicht ausgestellt, aber dennoch in der Eden Fine Art Gallery erhältlich: Unikate von James Rizzi – einfach danach fragen.

Website: www.eden-gallery.com

ArtKiss-Besuche: 15.03.2012 und 14.09.2013