Harry Callahan – Retrospektive (Deichtorhallen – Haus der Photographie, Hamburg)

Veröffentlicht: 12. Mai 2013 in Museum
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Plakat

Harry Callahan (1912-1999) gilt als einer der innovativsten und einflussreichsten Fotografen der amerikanischen Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Seine schöpferische Intensität, der ästhetische Stellenwert seines Werks im Kontext der amerikanischen Fotografie des 20. Jahrhunderts und auch die Tatsache, dass sich der Geburtstag des Künstlers 2012 zum hundertsten Mal jährte, nehmen die Deichtorhallen Hamburg zum Anlass, sein Werk in einer umfangreichen Retrospektive mit über 280 Arbeiten zu zeigen. Die Ausstellung ist die bislang größte Werkschau, die sowohl die in Schwarz-Weiß produzierten Silbergelatineabzüge des Künstlers als auch die im Dye-Transfer-Verfahren hergestellten farbigen Arbeiten einbezieht.

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Als einer der Ersten überwand Harry Callahan die vorherrschende Ästhetik des Realismus, indem er die „New Vision“, die László Moholy-Nagy im New Bauhaus in Chicago etabliert hatte, und die sogenannte „Straight Photography“ von Ansel Adams innovativ und hochsensibel fortentwickelte. Allein das New Yorker Museum of Modern Art würdigte Callahans fotografisches Œuvre zwischen 1946 und 1997 in insgesamt 38 (!) Ausstellungen. Gemeinsam mit dem Maler Richard Diebenkorn repräsentierte Callahan 1978 die USA auf der Biennale in Venedig – als erster Fotograf überhaupt. Trotzdem wird Callahans facettenreiches fotografisches Werk in Europa noch immer als fotohistorische Rarität gehandelt.

Callahans Werk, das ab 1938 in einem Zeitraum von fast sechzig Jahren entstand, umfasst neben Natur – und Landschaftsfotografien, Aufnahmen von Callahans täglichen Streifzügen durch Städte wie Detroit, Chicago, Providence, Atlanta oder New York. Straßenzüge, Schaufenster, Gebäude oder vorübereilende Passanten sind seine Leitmotive, häufig in so intensivem Licht. Sehr früh begriff er die Fotografie als ein rein künstlerisches Medium, betrachtete sich als Kunstfotograf und nicht als Vertreter der angewandten Fotografie. Andere Arbeiten, in denen seine Frau Eleanor und die Tochter Barbara im Mittelpunkt stehen, werden in späteren Jahren abgelöst von einem weiteren großen Experiment: den Aufnahmen, die auf zahlreichen Reisen nach Frankreich, Italien, Marokko, Portugal oder Irland entstanden. Seine Arbeiten dokumentieren eine sich abzeichnende Moderne, die das alltägliche Leben immer umfassender überformt.

Im Sinne seiner drei Hauptthemen – die Natur, die vertraute Figur Eleanor, die Stadt – spiegeln seine Bilder in immer wieder neuen, rückläufig miteinander verflochtenen Bezügen Callahans Leben. Zugleich zeichnen sie den sozialen und kulturellen Wandel in den USA nach: dezent, elegant, mit einem Hang zur Abstraktion, äußere Veränderungen seismografisch erfassend. Beständig reflektiert Callahan in seinen Bildern das eigene wie das fotografische Sehen.

Ausstellungsdauer: 22.03.2013 bis 23.06.2013

Website: www.deichtorhallen.de

ArtKiss-Besuch: 12.05.2013

ArtKiss-Wertung:
2 Sterne

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